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Design-Restaurant White Lounge, Hamburg
Farbe als Marketinginstrument: Ganz in Weiß - aber immer anders
Exzellentes Essen, freundlicher Service, nette Atmosphäre… Es gibt viele Gründe, ein Lokal zu besuchen. Dass auch Farbe ein Lockmittel sein kann, auf das die Gäste fliegen, beweist die White Lounge in Hamburg. 
Die fünf A (alles anders als die anderen) waren schon immer ein probates Mittel um aufzufallen. Gutes Essen, tolle Cocktails, etc. gibt's schließlich auch anderswo. Was also zieht noch bei den Gästen? Was sorgt für Gesprächsstoff und Mund-zu-Mund-Propaganda? Ein Beispiel kommt aus Hamburg. Dort heißt es unter Szenegängern. "In Winterhude gibt's ein Lokal ganz in weiß. Das müssen wir uns anschauen!"
"Ein Teil unserer Gäste kommt sicherlich wegen des Designs und aus Neugier", so White Lounge-Chef Dieter Meier. Dass das nur die halbe Miete ist, weiß er selbst. "Wenn ich diese Gäste über das Essen halten kann, ist mein Konzept aufgegangen." Um eins vorweg zu schicken: Die Farbe allein ist noch kein Konzept, ersetzt nicht das gastronomische Know how. Aber sie kann einen wichtigen, vielfältig einsetzbaren Baustein leisten zum Aufbau einer USP-Stellung.
Farbe in die Gastronomie bringt z.B. das Feinschmecker-Lokal "Spoons" in Paris bereits seit Anfang des Jahrtausends. Tagsüber ist das Lokal weiß, abends rot! Der Trick dabei? Die Wände sind rot gestrichen, tagsüber sind weiße Rollos darüber. Auf die Farbe Weiß setzt u.a. auch das "Bangaluu" in Berlin, das gerade unter den nominierten Konzepten für den Leaders Club Award war.
Was Weiß so attraktiv für die Gastronomie macht? "Weiß ist die einzige Farbe, die unaufdringlich von den Decken über die Wände bis zum Food-&-Beverage-Bereich eingesetzt werden kann, ohne eine Komplementär-Farbe zu benötigen", so Dieter Meier. "Außerdem reagiert Weiß perfekt - nämlich neutral - auf Licht." Der Clou im White Club ist, dass er selten weiß ist! "Wir haben eine Lichtsteuerung, mit der wir den ganzen Abend abwechselnd verschiedene Rot- und Lila-Töne einspielen sowie verschiedene Dimmstufen einfließen lassen", erzählt Meier. "So ist die Raumwirkung in unserer Hand - und speziell abends das genaue Gegenteil von Weiss. Der Raum ist - unmerklich für die Gäste - die ganze Zeit über in Bewegung."
Wer Farbe und Licht so perfekt im Griff hat, kann damit natürlich wunderbar spielen. "Wenn ein Gast beispielsweise am Empfang sagt, "Ich habe in der Lounge reserviert", dann können wir den reservierten Tisch für 60 Sekunden hellgrün anstrahlen, bis der Gast Platz genommen hat", erzählt Meier. Dass solche Tricks für Spannung bei den Gästen ("Wer kommt denn jetzt?") und für wirkungsvolle Auftritte der Neuankömmlinge sorgen, versteht sich von selbst.
Vor lauter Licht wollen wir die Schattenseiten nicht verschweigen. "Die Strafe an Weiß ist, dass die Reinigungskosten für die Kleidung der Mitarbeiter doppelt so hoch liegen wie in unseren anderen Lokalen", erzählt Dieter Meier. Aber jeder kleine Fleck, den der Gast in anderen Betrieben gar nicht bemerken würde, fällt halt in der White Lounge sofort auf.
Nachdem sich das Farb- und Lichtkonzept in der Eröffnungsphase des Lokals bewährt hat, widmen sich Dieter Meier und seine Crew jetzt verstärkt dem Food-Design und damit ihrer Kernkompetenz. Betrieben wird die White Lounge von der Fa. (fett)Sushi for Friends(Ende fett), die Hamburg in den letzten acht Jahren mit insgesamt sechs Lokalen (davon zwei in Franchising) überzogen hat. Jedes Restaurant betreibt natürlich auch einen Lieferservice.
Die neue "White Lounge" hat rund 400 qm Fläche und eine attraktive Außenterrasse. Innen ist das Lokal in fünf Zonen aufgeteilt: in den Liegebereich, in den Laufbandbereich, in den Veranstaltungsbereich und in die 2er & 4er Gruppenplätze. Clou am Rande: Die Gäste werden per Kamera gefilmt und die Bilder auf Flatscreens und Beamer übertragen. So können die Gäste sich selbst und das gesamte Restaurant im Film erleben.
Das Food-Angebot ist im Vergleich zum herkömmlichen "Sushi for Friends"-Sortiment deutlich erweitert worden. Mit mediterranen Tapas (z.B. Champignons gefüllt mit Kräuterfrischkäse, Chorrizo und Feigen im Speckmantel) und Gerichten der Thai-Küche soll eine breitere Zielgruppe angesprochen werden - auf der Basis des "small plates-Konzepts".
"Die Idee dahinter ist, dem Gast vielfältige kleine Kreationen aus drei Länderküchen anzubieten", so Dieter Meier, "wobei die Plates im Schnitt in einer Preisrange von 2 - 5 Euro liegen."
Auf die Parallelen zu diesjährigen Leaders Club Award haben wir bereits an anderer Stelle hingewiesen. Einer der drei Awards ging an das Sushi-Lokal "Yooji's" in Zürich. Bei dieser Entscheidung dürfte nicht zuletzt der innovativ-visionäre Service eine Rolle gespielt haben (Bestellung per Touchscreen-Bildschirm; der Info-Point, der alle Daten über das georderte Gericht liefert, etc.). Auf innovative Kommunikation zwischen Gast und Service setzt auch die "White Lounge".
Dort steht jedem Gast ein ausgeklügeltes "Table Call System" zur Verfügung, bei dem je nach Begehr auf eine von vier Tasten gedruckt werden kann:
Service bitte
Rechnung
Manager
Alles Gut
die "Quittungstaste" ist nur durch den Kellner bedienbar
"Theoretisch würde auch eine Taste reichen", räumt Dieter Meier ein. "Aber der Unterschied beispielsweise zwischen Service und Rechnung liegt auf der Hand. Die Managertaste halte ich für angebracht, da ich mich als Gast nicht persönlich mit einem Kellner über dessen Leistung auseinandersetzen möchte. Aber bei einem Lokal, das mir am Herzen liegt, würde ich dem Manager schon gerne sagen, dass er einen bestimmten Kellner am besten in den Wind schießen soll."
Für was die "Alles Gut"-Taste gut ist? Die soll der ganzen Sache ein bisschen den Ernst nehmen und beim Gast die Hemmschwelle senken, das Table Call System auszuprobieren. Die Quittungstaste wiederum muss am Tisch vom Kellner oder vom Manager betätigt werden, um den Call aus den Geräten zu löschen, die alle Kellner am Kellnergürtel tragen.
In der White Lounge ist das System so programmiert, dass jeder Call eines Gastes, der nicht innerhalb von zweieinhalb Minuten vom Kellner quittiert worden ist, an den Manager weitergeleitet wird. "Dank der Auswertungen kann ich genau sehen, wo, wann und bei welchen Servicemitarbeitern es Probleme gibt", so Dieter Meier über die Vorteile des Table Call System aus Sicht des Wirtes. "Und genauso habe ich eine Statistik, welche Kellner und Bedienungen viele "Alles Super"-Calls von den Gästen bekommen."
Aber auch modernste Technik ist nicht vor Störfällen gefeilt. "Anfangs gab es schon immer wieder Probleme", räumt Dieter Meier ein. "Mal war kurzzeitig das Kassensystem lahm gelegt, mal das Musikprogramm außer Funktion gesetzt. Doch inzwischen ist das Table Call System eine echte Hilfe."
Mehr Infos zur "White Lounge" unter:
www.hamburg-white-lounge.com
Josef Stadler
© 2006 by Gastronomie Report
