Scharfrichter-Lounge, Bremen


Spice up your life - und Deine Currywurst!

Mit "dem Stern, der Deinen Namen trägt”, sorgte DJ Ötzi für einen der größten Schlagerhits der letzten Jahre. In der Scharfrichter-Lounge in Bremen können mutige Gäste singen: "eine Sauce, die meinen Namen trägt." Das dahinter stehende Gastro-Konzept klingt absolut hitverdächtig.

Die Idee ist so genial einfach (also einfach genial), dass man sich fragt: Warum ist da früher noch keiner draufgekommen!

In der Scharfrichter-Lounge in Bremen können die Gäste bei den Gerichten zwischen Soßen in zehn verschiedenen Schärfegraden wählen. Ab dem vierten Schärfegrad müssen sie allerdings Stufe für Stufe belegen, dass sie den vorherigen Schärfegrad bereits geschafft haben. Wer den 10. Schärfegrad erreicht und anschließend in neue Schärfedimensionen vordringt, der wird automatisch zum Namensgeber für die entsprechende Soße und verewigt sich so in der Lokalhistorie. Und dieses Spiel nach Rekorden geht natürlich immer weiter…

Für die Gäste bedeutet das einerseits Anreize zum Probieren und anderseits Gesprächsstoff ohne Ende - "Stell Dir vor, ich hab’ jetzt endlich den 8. Schärfegrad erreicht!" - "Na, wenn schon. Ich will nächste Woche einen neuen Rekord aufstellen..." Dass sich die geniale Idee herumspricht, dafür brauchen die Wirte keine Werbung machen, dafür sorgt allein schon die Mund-zu-Mund-Propaganda. Denn natürlich spricht sich schnell rum, was für heiße Sachen in der Scharfrichter-Lounge abgehen. Wer "in" oder "out" ist, wird schnell klar, wenn über "Killerbienen", "Six Feed Under" oder "Die Hard" gefachsimpelt wird. Da geht’s natürlich nicht um TV-Serien oder Spielfilme, sondern um die exotischen Soßen in der Scharfrichter-Lounge.

Hinter dem Konzept stehen die beiden Quereinsteiger Ingo Koopmann und Thomas
Tusk (die sich bei o2 beim Customer Services kennen gelernt haben). Für das kommende Jahr ist bereits der Aufbau einer Franchise-Kette geplant. Kulinarisch geht’s in dem Bremer Lokal um Currywurst, Thüringer Bratwurst, Krakauer und Bio-Bratwurst. Das ist aber noch lange kein Grund, die Nase zu rümpfen. Schließlich funktioniert die Idee mit den Schärfegraden im Prinzip bei allen Speisen. Und außerdem zeigt sich die klassische deutsche Küche hier schlicht in Bestform. Ein typisches Lieblingsgericht der Deutschen, die Currywurst, wird mit dem weltweiten Trend zum phantasiereichen Würzen kombiniert - nach der Erfolgsformel: Spice up your life - und wenn’s sein muss auch deine Currywurst!

Die Lust auf innovative Gewürzmischungen steckte in Deutschland bislang noch in den Kinderschuhen - vor allem verglichen mit dem "Spicy-Hype" in den USA. Markenzeichen des Restaurants "Heaven on 7" in Chicago ist zum einen die tolle Louisiana-Küche und zum anderen der ungeheure Vorrat an kleinen Gewürz-Fläschchen. 20 bis 25 stehen auf jedem Gästetisch, mehrere Hundert in der riesigen "Wall of Fire" an der Wand. In den Fläschchen sind "Hot sauces" - in einer Auswahl, die auf der Welt ihresgleichen sucht - und in Deutschland immer noch als Weltwunder gelten würde. Mal schauen, wie weit die Rekordsucht der Gäste die "Scharfrichter-Louge" bringt.

Weitere Infos im Internet unter:
www.scharfrichter-lounge.de



Chili - Kulinarisches Kokain

Ob rot (wie Thai Chili oder Scotch Bonnet), gelb (wie Habanero) oder grün (wie Japaleno): Chili ist weltweit auf dem Vormarsch. Der globale Gewürzmarkt, dessen Volumen bei ca. 4,6 Billionen US Dollar im Jahr liegt, wird von Chili inzwischen genauso dominiert wie die Küchen dieser Welt. Trendsetter sind dabei die USA. Dort ist es zum "Modesport" geworden, immer mehr und immer schärfere Chiligerichte zu essen. Die schweißtreibende Qual wird durchaus belohnt, wie US-Wissenschaftler herausgefunden haben, und zwar mit der Ausschüttung von Glückshormonen und Wohlfühl-Endorphinen. Überzeugte Chili-Fans wie der Buchautor Tom Parker-Bowles beschreiben es so: "Das Herz schlägt schneller, die Pupillen weiten sich und der Kopf wird leicht und frei." In seinem Buch "A Year of Eating Dangerously", in dem er die Suche nach der schärfsten Sauce der Welt beschreibt, heißt es: "Chili ist wie kulinarisches Kokain."

Die Lust auf immer schärfere Sachen ist allerdings bislang weitgehend Männersache. So brachte eine Untersuchung im Auftrag einer Pizzakette das Ergebnis, dass ca. 30 % der jungen, männlichen Gäste gern "extra-scharf" bestellen, aber nur 6 % der jungen weiblichen Gäste. Allerdings gab die Mehrheit der Frauen an, dass es sie beeindruckt, wenn ihre Begleiter scharfe Sachen verspeisen! Aber nicht nur, um Frauen zu imponieren, macht es Sinn, scharfe Sachen zu verspeisen: Wissenschaftliche Studien belegen, dass der Verzehr von Chili positive Auswirkungen hat. So senkt Chili den Cholesterinspiegel, stärkt die Abwehrkräfte des menschlichen Immunsystems und hilft dabei, Diabetes zu vermeiden. 

Piet Pauls

2008 by Gastronomie Report