Inside-WOSA "Wirte im Abseits"


WM-Sieger! Das Weinland Südafrika konnte seine Flaschenweinexporte nach Deutschland in den ersten sechs Monaten 2010 um 50 % steigern. Mit Aktionen rund um südafrikanische Weine haben auch viele Gasto-Betriebe ihre Umsätze steigern können. Aber noch viel mehr Lokale haben den Aktionsangeboten des südafrikanischen Exportverbands Wines of South Africa (WOSA) die kalte Schulter gezeigt: Hier ein spannender Insider-Bericht:

Die Reaktion auf die WM und das Thema "Südafrika" für die Gäste zu initiieren, stieß bundesweit auf unterschiedliches Interesse. Auffallend ist, dass viele Gastronomen im Alltag einfach zu sehr gefordert sind und keine Zeit haben, sich mit Wein bzw. Marketing- und Kundenaktionen zu beschäftigen. Lediglich in größeren Häusern oder Unternehmen, scheint der Freiraum zu bestehen, sich mit Weitblick und Einblick mit zusätzlichen Ideen und Projekten zu befassen.

Im Hinblick auf die WM war es vielfach eine Herausforderung, zu erläutern, dass es sich hierbei nicht um die "WM" handelt, sondern dass das Thema "Südafrika" eine hohe Aufmerksamkeit genießen wird, weil es auf allen Kanälen kommuniziert wird. So, dass schon im Vorfeld ein südafrikanischer Wein des Monats, sicher auf ein höheres Bewusstsein stößt als bislang. Der Aspekt "gesteigerter Bekanntheitsgrad" und damit die Chance des leichteren Abverkaufs am Gast wurde vielfach völlig ausgeblendet.

ZITATESAMMLUNG:

- Viele Gastronomen sehen keine Verbindung zwischen Fußball und Wein: "Fußball ist Männersache und Männer trinken Bier!"

- Für Gastronomen mit "TV" ist die WM ein Gästeerlebnis als solches, "was braucht's da noch mehr?"

- "Meine Gäste interessieren sich nicht für Wein."

- "Da steht eh schon genug auf dem Tisch."

- "Wir haben genug zu tun, da können wir nicht noch Menükarten drucken."

- "Wenn Deutschland rausfliegt, ist das Thema "WM" eh tot.

- "Jetzt sind Spargelwochen und dann ist das Sommerloch - da brauchen wir keine weiteren Aufwand zu betreiben."

- "Wir haben so unterschiedliches Servicepersonal, da können wir doch nicht jeden schulen."

- "Wir machen nur einmal im Jahr eine neue Weinkarte."

- "Südafrika ist eh nur ein Modetrend und wir sind ein Traditionshaus."

ALLGEMEINES:

Die Werbemittel "Wines of South Africa - Let’s celebrate 2010" wurden zum Selbstkostenpreis angesetzt. Diese Kosten waren geringfügig, sie deckten lediglich die Produktionskosten. Ziel war es, nicht eine plumpe Aktion zu fahren, sondern hochwertige Elemente zu produzieren, die auch in einem gehobenen Umfeld einen guten Eindruck machen. Es gab alle Materialien, wie z. B. die Menükarten, Einlegeblätter auch zum kostenlosen Download.

Obwohl wir kostengünstige Möglichkeiten boten, wollte man natürlich alles kostenfrei, denn schließlich bewerbe man ja das Weinland Südafrika. Interessanterweise wurde die Chance auf die Steigerung des eigenen Umsatzes, der Service für den Gast und die Steigerung der eigenen Kompetenz durch eine geschmackvolle Produktdarstellung nicht gesehen. Oft wurde die Verantwortung dann auch auf die Händler abgeschoben, die sich um den Abverkauf kümmern sollen.

Gastronomen, die das Thema "Südafrika" nutzten, waren wiederum begeistert: "Da können wir unseren Gästen doch mal was anderes anbieten." Sie sahen in Südafrika eine gute Story und eine Bereicherung und nutzten dankbar die gebotene Chance, um mit Einfachheit und problemlos eine Sonderaktion zu fahren:

 "Da wird mir so eine Chance auf dem Silbertablett serviert; als Unternehmer wäre ich doch krank, wenn ich davon nicht profitieren würde - und das Beste: "Meine Gäste finden das toll!" "Wir haben völlig unterschätzt, wie viele unserer Kunden bereits in Südafrika waren und sich gut bei den Weinen auskennen."

Es ist auffallend, dass Gastronomen die Wirkung einer guten Weinaktion bzw. Weinempfehlung auf ihre Gäste völlig unterschätzen. "Das Interesse an Südafrika ist ja so groß, ich komm gar nicht mehr nach mit dem Wein des Monates." Wein hat einen hohen Stellenwert und gilt als Kulturgut, allein dieses Potenzial der Wertschätzung für den eigenen Imageaufbau zu nutzen, ist für viele Wirte ein unerschlossenes Terrain.

Es macht sich der Eindruck breit, dass es neben dem Zeit- und Stressfaktor auch an der mentalen Einstellung gegenüber bzw. für den Gast fehlt. Interessanterweise sind die Gäste gar nicht so schwer zu motivieren, es braucht gar keine so komplizierte Marketing-Aktionen. Eine Empfehlung mit einem Tischaufsteller ist doch eine einfache Angelegenheit. Und die Weinhändler und Importeure stürzen sich im Übrigen mit großer Begeisterung auf einen engagierten Gastronomen und lassen diesem vielfache Unterstützung zu Teil werden.

Allerdings: Der Gast jedoch spürt genau, ob der Gastronom ihm das Geld aus der Tasche zieht oder ob der Wein einem vernünftigen Preis-Genuss Verhältnis entspricht.

Der Kunde will an die Hand genommen werden und erkennt das dankbar an. Warum laufen denn die "social communities" im Internet mit großem Erfolg ? Eine These ist, weil hier vielfach "Empfehlungen" ausgesprochen werden, Tipps weitergegeben werden. Und das ist die Aufgabe eines Gastronomen: Nicht nur Bier zu zapfen, sondern seinen Gästen ein gutes Produkt zu bieten, ihn mitzunehmen und ihn zu führen. Wer das nicht tut, wird morgen entweder veraltete Kunden oder keine Kunden mehr haben.

Auffallend ist auch, dass das Medium Internet in diesen Kreisen noch mit erheblichen Hürden verbunden ist. Sich zielsicher und gekonnt in dieser Welt zu bewegen und sich zu informieren, zu lesen, bestellen, scheint einfach noch in den Kinderschuhen zu stecken.

Dennoch - viele Partner haben sich vom Südafrika-Virus infizieren lassen, mitgemacht und freuten sich über die Offenheit ihrer Kunden und die Leichtigkeit mit der sich das Weinland Südafrika darstellen lässt.

Bislang können wir resümieren "Yebo - gut gelaufen"! Es macht Freude zu sehen, dass diejenigen die "es" anpacken, Erfolg haben. Und darauf konzentrieren wir uns auch weiterhin! Und dass der Bekanntheitsgrad Südafrika um ein Vielfaches gestiegen ist und jetzt bald jeder weiß, dass es dort gute Weine gibt, ist doch ein bestens aufbereitetes Spielfeld für neue Aktionen! Jabulani - der Ball ist rund - "Be happy"
 
Aufgrund der vielen positiven Erfahrungen lassen sich folgende Empfehlungen geben:

Erkenntnis: Gute Aktionen müssen nicht kompliziert sein!
Chance: Der Bekannheitsgrad und das Interesse für Südafrika ist jetzt größer denn je und die Gäste werden offen sein für die kulinarischen Angebote aus diesem Land.
Profilierung: Wein hat einen hohen Stellenwert beim Gast, ein findiger Wirt hat da wirklich gute Chancen sich mit einer guten Empfehlung beim Gast beliebt zu machen.
Service: Nützliche Aufsteller helfen nicht nur dem Gast sondern auch dem Personal 
Fazit: Weniger ist mehr - besser 2 gute frische Weine auf der Tageskarte und ab und an mal wechseln, wie sich über alte Jahrgänge ärgern!