Shocking – Ein Krematorium als Gastro-Tempel!2020-02-24T12:43:36+01:00

Projekt Beschreibung

Shocking – Ein Krematorium als Gastro-Tempel!

Bar Alsterpalais – Restaurant – Cafe – Bar, Hamburg – Das letzte Konzept, das wir vorgestellt haben, führte in eine Londoner Kirche , die der Schweizer Koch-Guru Mosimann zum exklusivsten Dinner-Club der Welt umgebaut hat. Dieses Mal geht’s in ein Krematorium aus dem Jahr 1891 – ins Alsterpalais. Dort wird derzeit das spannendste Gastro-Erlebnis der Hansestadt aufgeführt. Es lebe die verrückte Location!

Da bleibt dem Gast erst mal die. Spucke weg! Wer vom Parkplatz in Richtung Eingang geht, den umweht plötzlich der Duft nach Weihrauch! Einfach und genial, frech und respektlos. So wird mit den Erwartungen der Gäste geschickt gespielt.

Nach der Nase sind die Augen dran. Von außen sieht das Alsterpalais wie ein exotischer Tempel aus. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde 1891 im Historismus- Baustil errichtet und beherbergte bis 1933 das Hamburger Krematorium. Nach dem Eintreten landet der Gast an der Cocktailbar, über die sich eine 13 Meter hohe, stuckverzierte Kuppel wölbt. Wenn die Augen sich satt gesehen haben an dem einzigartigen Ambiente, sind endlich die Geschmackssinne dran. Die Bar bietet eine Auswahl von mehr als 100 Cocktails – von den Klassikern bis zu eigens kreierten Köstlichkeiten. Täglich zwischen 17 und 20 Uhr ist Happy Hour und damit Cocktail-Schnäppchen- Jagd zum halben Preis angesagt. Ab Mitternacht gibt’s die Margaritas zum halben Preis. Dazu weiß der Barkeeper schönschaurige Geschichten über die Location zu erzählen. Zum Beispiel die, dass die Küche im Keller ist. Da, wo früher die Verbrennungsöfen waren. Guten Appetit! Aber dazu später.

Wie eine traumhafte Gastro-Location sieht das ehemalige Hamburger Krematorium seit gut zwei Jahren aus. Davor war tote Hose. Nachdem das Krematorium ab 1933 nicht mehr benutzt wurde, lag die Immobilie brach. Alles war kaputt. Riesige Tannen hatten das Gebäude eingeschlossen und gewissermaßen in einen Dornröschenschlaf versetzt. „Die Fenster waren herausgebrochen und teilweise mit Brettern vernagelt. Es stank. Es war dunkel. Feuchtigkeit war überall“, so schildert Jochen Warnecke seine ersten Eindrücke. Der Wirt hatte diesen Trümmerhaufen durch Zufall entdeckt. Er kroch hinein und arbeitete sich bis zur Empore hoch. Als er dort oben stand und sein Blick klarere Konturen aufnahm, da wusste er so sicher wie das Amen im Krematorium: „Das ist es!“.

Warnecke hat diese Eindrücke unserem Kolumnisten Claus Dieter Hübsch erzählt, der in Sachen Herforder Preis (Deutscher „Kneipen- Oscar“) rund ums Alsterpalais recherchiert hat. Um ein Haar hätte das Lokal übrigens im letzten Jahr den Preis für das „Konzept des Jahres“ bekommen. Es wäre eine perfekte Wahl gewesen und ein Signal an die Wirte: Geht raus mit offenen Augen! Seht Euch in alten Bahnhöfen, Ausbesserungsanlagen, leerstehenden Fabriken, etc. um und lässt Eurer Phantasie freien Lauf.

In dem Ausruf „Das ist es!“ steckte gleich ein ganzes Konzept: Groß und großzügig sollte das neue Gastro-Objekt werden. Höhen sollte es haben und unterschiedliche Ebenen. Multifunktionalität sollte das Lokal ausstrahlen. Oben auf der Empore holte Warnecke sein Handy raus und rief seinen Partner Christoph Strenger an. Der schwang sich ins Auto und fuhr zum Krematorium. Noch in derselben Nacht war sich das Duo einig: An diesem maroden-morbiden Platz setzen wir ein modernes Gastro-Konzept um, wie es die Welt noch nicht gesehen hat.

Wer von einer Idee überzeugt ist, der kann auch andere überzeugen und begeistern. Die Stadt Hamburg als Eigentümer gab das Immobilien-Kleinod für 99 Jahre auf Erbpacht her. Einzige Bedingung war, dass das Gebäude der Öffentlichkeit zugänglich sein sollte: Eine Forderung, der Gastronomen gerne nachkommen. In dem Innenarchitekten Andras Koos fand das Duo Warnecke/ Strenger einen visionären Künstler, der aber auch den operativen Gesetzmäßigkeiten von Funktionalität, Ökonomie und Ergonomie seine Reverenz erwies.

Das Resultat sorgt seit Herbst 1998 für Furore in der Hamburger Gastro-Szene. Das Alsterpalais bietet im Wintergarten 80, im Bistro 40 und im kirschholzgetäfelten Restaurant mit offener Küche 52 Plätze. Dazu kommen Cocktailbar, Empore, Zigarrenraum und Rittersaal. Im Außenbereich mit Biergarten und Terrasse gibt es nochmals 350 Plätze. Solch ein gewaltiger Gastro- Komplex kann nicht nur für die Schickimicki-Gesellschaft zugeschnitten werden. Das Ziel war deshalb von Anfang an, ein Ambiente zu schaffen, in dem sich viele Gästegruppen wohl fühlen: der Millionär aus Poppenbüttel und der Arbeiter aus Pinneberg, Singles genauso wie Familien.

Wer das Alsterpalais zum ersten Mal sieht, wird sich fragen: „Kann ich mir diesen Nobeltempel überhaupt leisten?“ Und wird angenehm überrascht sein, wenn er beispielsweise ein zweigängiges Mittagsmenü für 12,50 Mark auf der Karte entdeckt. – Lecker klingt aber auch „Red Snapper mit Frühlingsgemüse, Kerbelsauce und Kartoffel-Limonenpüree“ (für 38 Mark) oder als Nachspeise „Jogurt-Passionsfrucht-Terrine mit Rhabarber“ (für 13 Mark).

Bei unserem Besuch hat uns die Weinkarte besonders beeindruckt. Einen trockenen Riesling vom Weingut Kessler aus dem Rheingau, die Flasche für 42 Mark, wo gibt es das sonst? Oder einen Weißburgunder aus Baden (Weingut Heger) für 49 Mark! Spitzenweine für einen Spitzenpreis! Am Modewein Pinot Grigio kommt das Alsterpalais zwar auch nicht ganz vorbei. Aber wer als Gast nicht auf seinen Pinot Grigio verzichten will, muss immerhin 54 Mark löhnen. Im Schnitt liegen die meisten Flaschenweine im Alsterpalais zwischen 42 und 62 Mark. Teuerster Tropfen auf der Weinkarte ist ein „Opus One“ von Mondavi für 320 Mark. Wer was Exklusiveres möchte (man muss als Wirt ja auch an die Millionäre unter den Gästen denken), dem bringen die freundlichen Bedienungen die Extra-Karte mit den „Schatzkammer- Weinen“.

Eine weitere Besonderheit im Alsterpalais: Die Karte wird alle 14 Tage komplett gewechselt. „Das findet der Gast spannend. Er soll sich auf die neue Karte freuen. So wird das Alsterpalais sein Das „Herzstück“ des Alsterpalais: die Cocktailbar unter einer 13 Meter hohen Kuppel „Esszimmer“ und unsere Bar seine Kommunikations- und Erlebniswelt“ , so Jochen Warnecke, der zusammen mit seiner Frau Heike für das operative Geschäft verantwortlich zeichnet. Partner Christoph Strenger ist eher im Hintergrund als Berater und Consulter tätig.

Das Schlusswort überlassen wir gerne Claus Dieter Hübsch: „Das Alsterpalais beweist nachhaltig, dass der Mut zur Location in Verbindung mit einer hervorragenden, bedürfnisorientierten, gastorientierten und kundenorientierten Umsetzung immer wieder Berge versetzen kann.“

Erschienen im Gastronomie-Report 4/2000. Das geschilderte Konzept wurde einige Jahre umgesetzt.

Foto: Alsterpalais, Gastro Consulting

Für weitere innovative Ideen für Gastronomie, Bar und Hotels empfehlen wir Ihnen ein Jahresabo des Gastronomie-Report.

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