„Monkey’s Schiff“ auf dem Rhein2019-10-30T13:27:36+01:00

Project Description

„Monkey’s Schiff“ auf dem Rhein

Gegen den Strom – Erfolg auf Sand gebaut
Hierzulande eine gastronomische Innovation zu lancieren, birgt so seine Tücken. Rainer Wengenroth kann ein Matrosenlied davon singen. Seine schwimmende Event-Plattform „Monkey’s Schiff“ musste zahllose bürokratische Klippen umschiffen, bis es endlich am Rheinufer in Köln festmachen durfte.

Angesichts horrend steigender Mieten bei 1a-Citylagen: Wo ist noch bezahlbarer Platz für innovative Gastro-Konzepte? Bei unseren Wettbewerben rund ums „Restaurant der Zukunft“ gehen die visionären Konzepte bevorzugt in die Luft bzw. ins Wasser. Dass die Realität die Utopie einholt, beweist das „Monkey’s Schiff“ in Köln, das buchstäblich auf Sand und ins Wasser gebaut ist.

„Ich wüsste sonst kein Schiff, das einen Sandstrand hat“, sagt Rainer Wengenroth und fasst sich lächelnd in die graublonde Mähne. Dass sein Eventschiff an der Kölner Rheinuferpromenade wenig mit herkömmlichen Ausflugsdampfern gemein hat, liegt aber nicht nur am hellen Quarzsand, der sich über die Längshälfte des 1000 Quadratmeter großen Oberdecks verteilt.

Rund 1,5 Millionen Euro haben die Eigentümer Helge Achenbach und Rainer Wengenroth in das „Monkey’s Schiff“ gepumpt. Aus vier zusammen gebundenen Lastkähnen der ehemaligen DDR hat das Unternehmerduo ein Partyboot de luxe gemacht. Beim Gang über Deck sticht zunächst das komplexe Repertoire ins Auge, die Vielzahl an Möglichkeiten, unter denen die Gäste wählen können. Cateringzonen, Grillstationen, DJ-Bereich mit Chill out-Musik, Lounges, kleine Wasserflächen und zwei Unterdeckräume zur multifunktionalen Nutzung (z.B. für Kunstausstellungen) folgen im bunten Wechsel. Um optische Brüche zu vermeiden, verbinden Liegestühle, Palmen, Sonnenschirme, Vollholztische und Sitzgruppen die jeweiligen Eventsphären.

Seit August vergangenen Jahres können die Gäste die mobile Rückzugsgastronomie auf dem Rhein genießen. Auf dem „Monkey’s Schiff „können bis zu 900 Gäste gleichzeitig feiern und entspannen, Schmankerl vom italienischen Nudelsalat bis zum Rumpsteakspieß goutieren oder einfach nur Bier, Wein oder Cocktails schlürfen. Jenseits der Sternegastronomie, aber als Vollküche fungiert das Bordrestaurant, das unter dem Motto „Little Italy“ ganztägig mediterrane Küche bietet. In den Cateringzonen wird gegrillt, was die Kohle hält. Statt auf Convenience setzt die 25-köpfige Crew auf hochwertige, frische Produkte.

Laut Wengenroth liegt die Kernklientel bei den 20 bis 40-Jährigen, die ihre Mittagspause im Mittelmeerflair mit Blick auf die Kölner Skyline verbringen oder ihren Feierabend jenseits der konventionellen Gastroszene ausklingen lassen. „Junge Mütter finden hier eine Alternative zum spießigen Spielplatz für ihre Sprösslinge, Angestellte aus der Umgebung kommen zum Business-Lunch, Pensionäre spielen unter freiem Himmel Karten“, beschreibt der 58-Jährige das Tagesgeschäft auf Deck. Bis 17 Uhr gibt es keinen Mindestverzehr. Ab dann steuert die Preispolitik die Gästezusammensetzung. An der Eingangskasse werden dann Bons à drei Euro für Speisen und Getränke verkauft.

Das Ibiza-Feeling auf Vater Rhein ist ein hart erkämpftes. Aber Wengenroth ist kampferprobt. Auf Widerstand stieß er bereits mit seinem ersten Wasserprojekt, dem „Monkey’s Island“ im Düsseldorfer Medienhafen. „Vier Jahre lang war der schwimmende Partystrand mit Sonne, Sand und Caipirinha Anziehungspunkt für eine scheue Szene mit zugespitztem Musikgeschmack“, erzählt Wengenroth. „Bis 2006 dann das Aus kam.“

Der damalige Oberbürgermeister Düsseldorfs hatte andere Pläne mit dem Platz im Hafenbecken, die Hotelkette Hyatt wollte am Ufer ihr nächstes Haus bauen. Trotz mündlicher Vereinbarungen zwischen „Monkey’s-Island“-Mitgesellschafter Achenbach und dem OB musste die Partyinsel nach erbittertem Rechtsstreit lange vor Beginn der Hotel-Bauarbeiten verschwinden. „Für mich und unsere Rechtsanwälte hat der Oberbürgermeister seine Treuepflicht verletzt“, resümiert Achenbach.

Auch das „Monkey’s Schiff“ kostete Wengenroth etliche Schweißperlen. „Bis wir endgültig an der Kölner Rheinuferpromenade anlegen durften, mussten 14 Instanzen überwunden werden“, erzählt der ehemalige Sozialarbeiter. Gewerbeaufsicht, Feuerwehr, Umweltamt, Wasserschutzpolizei und Bezirksregierung waren nur die Spitze des Eisbergs, die Auflagen kaum zu erfüllen. Über was sich deutsche Bürokraten nicht alles Gedanken machen: über den richtigen Abstand zur Fahrrinne, über die Anschaffung von 900 Schwimmwesten, über die potenzielle Lärmbelästigung… In langen Gesprächen mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt Köln ging es um die weltbewegende Frage, ob Wengenroths Schipper als „Schiff“ oder „schwimmende Anlage“ einzuordnen sei. Und das war keine Lappalie. Schließlich sind dann jeweils ganz andere Bedingungen zu erfüllen…

Doch der Initiator des „Monkey’s Schiff“ hatte Glück im Unglück: „Zwar mussten wir mehr Genehmigungen einholen als ein Atomkraftwerk, aber nicht alle waren gegen uns“, so Wengenroth. „Die Kölner Politik wollte das Projekt. Und gerade Projekte, die den Mainstream verlassen, brauchen einfach politische Rückendeckung“. So war es nicht zuletzt die „Bezirksverwaltung Innenstadt“, die das Gastroschiff im Einklang mit ihrer Stadtentwicklungspolitik sah, aufs Gas drückte und Grünes Licht gab.

Mit viel Stehvermögen setzte der gebürtige Solinger durch, dass sein „Monkey’s Schiff“ dauerhaft am Konrad-Adenauer-Ufer vor Anker gehen darf. Davor musste es immer mal wieder den Duisburger Hafen anlaufen und dort auch überwintern. Jetzt können die Chefs des „Affenschiffs“ selbst entscheiden, wann die Leinen losgemacht werden (z.B. im Herbst letzten Jahres für eine große VW-Veranstaltung im Düsseldorfer Hafen). Viel touren wird das Eventschiff zukünftig aber nicht mehr. Der klare Kurs von Achenbach & Wengenroth lautet: „Die Leute sollen wissen, dass wir da sind“.

Und zwar selbst im Winter. Das „Unter Palmen“-Konzept will weg vom reinen Saisongeschäft. Eine transparente Verschalung und Wärme vom bootseigenen Blockheizkraftwerk sollen selbst an kalten Tagen rheinische Karibik-Stimmung an Deck garantieren.

Seit dem Traumsommer 2003, als er sich auf seinem „Monkey’s Island“ in Düsseldorf vor Gästen kaum zu retten vermochte, ist Wengenroth ein glühender Verfechter der Outdoor-Gastronomie. „Mit dem ersten Stadtstrand Deutschlands haben wir seinerzeit eine Welle losgetreten und Nachahmer in Städten wie Essen, Dortmund oder Oberhausen gefunden“, so Wengenroth. „Wir sind gespannt, wer alles dem Beispiel von „Monkey’s Schiff“ folgen wird“.

Die Idee einer schwimmenden Gastrofläche mit Sandstrand und Terrassenbereich hat natürlich auch außerhalb der Grenzen NRWs Zugkraft und lässt sich beispielsweise auch auf bayerische Flüsse und Seen übertragen.

Ideenproduzent Wengenroth jedenfalls hat bereits die nächste Vision in der Pipeline: eine künstliche, permanente Surfwelle auf einem Ponton aus Holz. Das integrierte Schwimmbecken auf einer Deckebene von 106 x 22 Metern soll Wellenreitern Gelegenheit geben, ihrer Passion zu frönen, ohne gleich nach Hawaii oder Kalifornien jetten zu müssen. Eingerahmt würde die Mini-Surfinsel von einer durchgestylten gastronomischen Infrastruktur unter glänzenden Segeln

Unter der Flagge des Affen könnte das Projekt „Monkey’s Beach&Surf“ heißen. Den Genehmigungsmarathon, den Wengenroth mit seinem „Monkey’s Schiff“ durchlaufen hat, wird er bei dem angepeilten Surf-Projekt vermutlich als Sturm im Wasserglas empfinden. Aber Bange machen gilt nicht. Erfolg hat, wer bereit ist, gegen den Strom zu schwimmen.

Erschienen in Gastronomie-Report 2/2010

Für weitere innovative Ideen für Gastronomie, Bar und Hotels empfehlen wir Ihnen ein Jahresabo des Gastronomie-Report.

Foto: Dülligen/Monkey’s

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