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Pasta & Opera – Nudeln mit Puccini 2018-06-20T12:59:44+00:00

Project Description

Pasta & Opera – Nudeln mit Puccini

Italienische Pasta zum Sattessen, aber auch Kultur vom ; Feinsten zum Sattsehen und Satthören – klingt doch gut. Wie man mit dieser anspruchsvollen Kombination einen Bombenerfolg haben kann, beweist der Theatersalon seit zwei Jahren. „Pasta & Opera“ sind seit über einem Jahr ausverkauft, dieses Programm hat sich vom Geheimtip zu einem festen Bestandteil der Münchner Szene entwickelt.

Wer den Theatersalon betritt, findet sich im nächsten Augenblick in einer anderen Welt wieder: Eine exotische Abenddame reicht dem Ankömmling Teller und Besteck. Sanfte klassische Töne locken ihn so dann in einen schummrigen, schmalen Raum. Nur von Kerzen erleuchtet, sieht man im Halbdunkel lange, feierlich gedeckte Tischreihen, wo sich alsbald die leise tuschelnden Gäste einen der engen Plätze suchen. Freudige Erwartung liegt in der Luft.
Riesige, dampfende Schüsseln werden auf den schmalen Tischen plaziert, bei unserem Besuch bis oben hin gefüllt mit Spaghetti mit Sahne-Gorgonzola-Sauce sowie Schmetterlingsnudeln mit Tomaten-Basilikum-Sauce. Einfache und traditionelle Hausmannskost – aber jedem läuft schon das Wasser im Mund zusammen. Ca. 150 verschiedene Saucen und Rezepte lassen keine Langeweile aufkommen, jeden Freitag gibt’s zwei neue Kombinationen. Ist eine Schüssel leer, wird die nächste nachgeliefert und die Schlacht geht weiter.
Da greift so mancher Gast schon vier- oder fünfmal zu. Kein Wunder, denn für die 28 Mark Eintritt kann jeder soviel essen wie er will. Keine schlechte Idee, denn wer viel ißt, hat bekanntlich auch viel Durst. Die Getränke müssen extra bezahlt werden und sind nicht gerade billig. Aber die Gäste lassen sich’s gut gehen in dem schlauchartigen, nur spärlich durch Wandkerzen erleuchteten Raum, der eine Atmosphäre der Gemütlichkeit und Intimität verbreitet. Der stimmungsvolle kleine Salon ist mit viel Liebe zum Detail hergerichtet: stuckverzierte Wände, warme Farben, bunte Bonbons auf den Tischen und viele Gläser, in denen sich das weiche Licht spiegelt.

Grundidee bei Pasta & Opera war, die Stimmung einer italienischen Familienfeier einzufangen, bei der die Leute an langen, schmalen Tafeln sitzen, essen, trinken, und sich amüsieren. Daß man beim Herumreichen der Schüsseln ins Gespräch kommt, ist fast selbstverständlich; die familiäre Atmosphäre soll in dem intimen Raum jeglichen Kontaktschwierigkeiten ein schnelles Ende bereiten. Sobald ein jeder annähernd satt ist, beginnen die musikalischen Darbietungen.
Heute abend kommt ein ungarischer Pianist auf die kleine, schwacherleuchtete Bühne und beginnt nach ein paar kuriosen Worten mit wildem Klavierspiel. Später gesellt sich wie aus dem Nichts ein alter, eleganterTenorsänger dazu, der mit theatralischer Gebärde italienische Liebesarien auf die Zuschauer schmettert und sie damit in seinen Bann zieht. Die Kerzen flackern, manch einer fischt selbstvergessen noch nach den letzten Nudeln auf seinem Teller.
Zum Essen, und das ist das Erfolgsrezept von Teamtheaterchef Eduard Schnur, werden qualitativ hochwertige Kulturdarbietungen auf der kleinen Bühne angeboten: Bei „Pasta & Opera“ geben sich stets klassische Pianisten und Opernsänger ein Stelldichein, wobei die Conferenciere Annika Richter – mit kurioser Rokokoperücke – durch den Abend führt.
Angefangen hat alles vor zwei Jahren: Damals baute Eduard Schnur die ehemaligen Theaterräume zu einem stilvollen Theatersalon um. „Ich wollte einfach in den alten Theaterräumen im Zentrum Münchens (Am Einlaß 4) das Salonambiente der 20er Jahre wiederherstellen“, erzählt Schnur, „edel, ein bißchen verrucht, und vor allem intim und gemütlich. Dazu kam, daß ich so auch jungen, unbekannten Künstlern die Möglichkeit eines Auftritts bieten wollte.“
Daß dieses Konzept so einschlagen würde, hat der Veranstalter selbst nicht erwartet. Die Ausstattung, wie z.B. das alte Klavier und die Kostüme der exotischen Abenddame, stammen alle aus alten Beständen des ehemaligen Teamtheaters, das sich früher in diesen Räumen befand. „Teamtheater“ ist heute der Oberbegriff sowohl für den Theatersalon als auch das Cafe Tankstelle, das sich nur einige Häuser weiter befindet – ebenfalls unterSchnurs Leitung. Eduard Schnur, der Physik studiert hat und erst über Ferienjobs in die Theaterproduktion kam, hat auch früher schon mit ähnlichen Konzepten experimentiert.
Nach einem Berliner und einem französischen Abend machen momentan die spanischen Abende (donnerstags) Furore. Es muß aber, so fand Schnur heraus, nicht jeden Abend etwas geboten sein: Die restlichen Tage sind für geschlossene Veranstaltungen reserviert, das heißt, man kann den Saal,der für maximal 80 Personen ausgerichtet ist, für Privatfeste mieten und sich sogar bestimmte Künstler, Tanzgruppen oder Musiker „mitanmieten“. Bleibt die Frage: Wie kommt der Wirt an die Künstler?
Annika Richter und Julia Regehr, die künstlerischen Leiter von „Pasta & Opera“, sind eng mit der Münchner Musikhochschule und dem Richard-Strauß-Konservatorium verbunden. Dort kennen sie genügend Leute, die aus Spaß und für wenig Geld die Gelegenheit wahrnehmen wollen, sich öffentlich darzustellen (und vielleicht entdeckt zu werden?!) Neben der Musikakademie kann man übrigens auch über Künstleragenturen, die in jeder größeren Stadt zu finden sind, zu Musikern und anderen Darstellern kommen. Nach bemühten und talentierten Jungdarstellern und -musikern braucht Eduard Schnur also nicht lange zu suchen.

Aufwand hält sich in Grenzen
Viele Kleinkünstler, Kabarettisten und Musiker kommen mittlerweile von selbst und bieten ihre Talente an. „In den zwei Jahren, die wir das nun schon machen, hat sich vieles eingependelt“, so Schnur. „Dadurch hat sich der Planungsaufwand stark verringert; sogar der genaue Abendablauf entwickelt sich oft spontan, es wird viel improvisiert – wobei gerade das erst die besondere Atmosphäre schafft“.
An Eduard Schnurs Theatersalon kann man sehen, wie man mit einfachen Mitteln ein Ambiente schaffen kann, das die Leute zum Wiederkommen und Weiterempfehlen anregt: Zum Rezept gehören ein gemütlicher Raum, ausreichend gutes Essen, nicht alltägliche Künstler und – ja , das gewisse Etwas. Schnur: „Es ist nicht leicht, aber mit viel Geduld, Zeit,abwechslungsreichem Programm und viel Werbung in den Tagesmedien kann man es schaffen. Die Gäste sollen immer das Gefühl haben, Zeugen eines außergewöhnlichen Abends zu sein.“
Das „Theater & Gastronomie- Konzepts“ klingt ausbaufähig. Es muß ja nicht immer Pasta & Opera sein. Man könnte z.B. österreichische Mehlspeisen anbieten, untermalt von Klaviersonaten oder einem tunesischen Abend mit Kuskus und Bauchtanz. Dieser Idee sind keine geographischen oder kulinarischen Grenzen gesetzt.

Erschienen im Gastronomie-Report 8/1996. Die Pasta & Opera Operndinner von Julia Regehr finden nach wie vor regelmäßig statt. Serviert werden 4 Gänge und hingebungsvoller Gesang…

Für weitere innovative Konzepte für Gastronomie, Bar und Hotels empfehlen wir Ihnen ein Jahresabo des Gastronomie-Report.

Foto: Theatersalon