Adventure Camp Schnitzmühle, Viechtach2019-11-20T15:34:21+01:00

Project Description

Adventure Camp Schnitzmühle, Viechtach

Schluss mit Idylle: Mitten im Bayerischen Wald ist die Hölle los!
Grüne Hölle, Urwald, Krokodile, feindliche Indianer mit Giftpfeilen… Okay, ganz so wild wie am Amazonas geht es in der Schnitzmühle nicht zu. Aber es ist schon erstaunlich, dass erst die Nielsen-Brothers kommen mussten, um zu erkennen, welches Action- & Adventure-Potential das größte zusammenhängende Waldgebiet Europas bietet – der Bayerische Wald!

Bei der Ausgangslage hätte so mancher Betriebsnachfolger statt hochfliegender Pläne eher nach einem hohen Baum für einen Strick Ausschau gehalten. „Das Haus hier war schuldbelastet, wir waren in einer schwierigen Phase“, so beschreibt Sebastian Nielsen die Situation anno 2000. „Wir hatten damals im Haupthaus noch 16 Zimmer, nur 30 Prozent Belegung und das von Gästen, die im Durchschnitt 70 Jahre alt waren.“ Auch der dazugehörende Campingplatz dümpelte so vor sich hin.

Aber von diesen Kennziffern ließen sich der heute 37-Jährige und sein drei Jahre jüngerer Bruder Kristian nicht abschrecken. Sie entschlossen sich zu einem radikalen Schnitt mit der Vergangenheit. Der Erfolg gibt ihnen Recht. Die Zahl der Zimmer ist auf 32 angewachsen, die Auslastung hat sich mehr als verdoppelt (auf 75 %) und der Schnitzmühle Campingplatz ist als einer von nur sechs deutschen Camping-Betrieben in den „Cool Camping Europe“-Führer aufgenommen worden.

Wow! Wie haben die das bloß gemacht? „Nicht wie bei einem Bäumchen, wo Du da mal hier was wegschnipselst und mal dort was“, so beschreibt der philosophisch angehauchte Sebastian Nielsen den radikalen Schnitt. „Wir änderten gleich von der Wurzel her komplett alles!“

Natürlich nicht alles auf einmal. Aber die Brüder hatten von Anfang an die Vision vom „Adventure Camp Schnitzmühle“, die sie Schritt für Schritt verfolgten, wobei der Begriff Schnitzmühle auf die Historie des Standortes zurückgeht: Hier, drei Kilometer von Viechtach entfernt, war einst eine Mühle und Dachschindel-Schnitzerei beheimatet. Die Großeltern betrieben noch ein Sägewerk, bis die Oma ihr erstes kleines Wirtshaus startete. 1960 kam ein Campingplatz hinzu, etwa gleichzeitig wurden im Stammhaus Zimmer mit Dusche & WC eingerichtet, um sie im Sommer an Urlauber zu vermieten. Nachdem das Sägewerk eingestellt wurde, machten die Eltern, der Kopenhagener Seefahrer Torben Nielsen und seine Frau Marianne, ab 1981 daraus eine Pension, später das „Landhotel Campingplatz Schnitzmühle“.

Die Söhne wuchsen im bayerischen Wald auf und gingen dann erst mal eigene Ausbildungswege. Wobei beide im Hinterkopf stets die Frage wälzten: Was machen wir aus der Schnitzmühle? Nach einigen Jahren im Ausland wählte Sebastian Nielsen 1996 als Thema seiner Diplomarbeit zum Tourismus-Betriebswirt: „Energy of Spirit – ein Hotel im Wandel der Zeit“. Die Diplomarbeit war einer der ersten Schritte hin auf dem Weg zum heutigen Adventure Camp. Dass der jüngere Bruder, der eine Ausbildung zum Hotelkaufmann absolviert hatte, auf gleicher Wellenlänge schwamm, verbesserte die Ausgangsbedingungen enorm.

Einfach ins kalte Wasser sprangen die Nielsen-Brothers aber nicht. Sie suchten professionelle Hilfe bei dem befreundeten Marketingfachmann Jürgen Kleiber-Wurm und dem Future-Coach Hans-Jürgen Hartauer. Die erste wichtige Frage war, wie das Hotel neben dem Campingplatz weiter entwickelt, oder vielmehr auf Erfolgskurs geschubst werden kann.

„Anfangs war ein Club angedacht“, erinnert sich Sebastian Nielsen, „aber da störten die gedanklichen Mauern drumrum. Ich hatte mehr das Bild eines Malers vor Augen, wo sich die Farben ineinander vermischen. Außerdem“, sinniert er, „passt ein abgeschlossener Club mit der Assoziation von Drinnen und Draußen nicht zu den Veränderungen der Gesellschaft überall auf der Welt, in Europa und in Deutschland. Heute ist alles viel offener – das wollten wir umsetzen. Da erschien uns der Camp-Gedanke als optimale Lösung.“

Ein Camp im Bayerwald? Für junge Leute? Wie musste das beschaffen sein? Die Nielsen-Brothers fragten sich, warum Gebiete wie der Amazonas als spannend und cool empfunden werden. Und sie stellten ernüchtert fest, dass der Bayerische Wald bei ihrer Wunschklientel einfach Imageprobleme hatte. Noch dazu dort, wo die Schnitzmühle liegt, total abgelegen. „Das hatte immer etwas Hinterwäldlerisches“, so Sebastian Nielsen freimütig. Um eine Veränderung zu erreichen, nutzten die Brüder von Anfang an rigoros die Begriffe „Urwaldgebiet“ und „Abenteuer“ für ihre Werbeaussagen.

Lodge statt Hotelanbau
Optisch erkennbarer Start der Umorientierung war im Jahr 2000 die Errichtung einer Lodge anstelle des sonst üblichen Hotelanbaus. Dadurch wurde das Angebot von 16 auf 32 Zimmer vergrößert. Allerdings etwas anders gestylt: Die Lodge-Zimmer mit ca. 30 Quadratmetern haben hohe Räume, offenes Bad, offene Schränke und das Gesamte wirkt nicht so total perfekt. Die Idee der Nielsen-Brothers dahinter: „Nichts ist erfolgreicher als attraktive Angebote, die bewusst einfach gestrickt sind.“

Umgeben war die Lodge von Quarzsand, Kies, Geröll, hinzu kam ein kleiner, bunter „Well-yes“-Pavillon mit Dampfbad, Pyramidensauna und Wärmebank. Darüber hinaus wurden im Stammhaus – jetzt „Hazienda“ genannt – die Zimmer neu gestylt und dabei flippige Themen wie „Kleiner Prinz“, „Golden Hippi“ oder „Heilige Sünde“ umgesetzt. Und auch der Campingplatz am „Schwarzen Regenfluss“ bekam einen neuen Anstrich mit Kanufahren, Miniatur-Stonehenge als Feuerstelle, einem Naturcamp für Kids, einer Bongo Bar mit Sand sowie einem Beach Volleyball Feld.

Beim Gastro-Angebot kennen die Nielsen-Brothers keine Hemmungen. Unter dem Motto „Thai-Bay“ bietet die Schnitzmühle thailändische und bayerische Gesundheitsküche. Auch Tradition muss nach Ansicht der Schnitzmühle-Chefs zeitgemäß sein! Dabei kommt die Regionalkultur nicht zu kurz, am Sonntagmittag gibt’s Schweinebraten. „Aber eben nur am Sonntag“, das ist den Nielsens wichtig. Ansonsten sind die Gäste ganz heiß auf witzige Thai-Bay-Tapas, Lagerfeuer-Salate und Zwiebelsteak sowie Thai-Fun, rotes Thai-Curry oder gebratene Mie-Nudeln.

O-Ton Sebastian Nielsen: „Wenn man bayerische Kultur kosmopolitisch auffasst, mutiert man automatisch weg vom Hinterwäldler hin zu einem Bayerwäldler, der die Welt kennt.“

Klar, dass dieses Konzept in erster Linie junge Leute und junge Familien anspricht. Im Durchschnitt sind die Gäste heute 35 Jahre alt. Aber auch viele Firmen nutzen die Möglichkeiten des Adventure Camp Schnitzmühle für Incentives. Und Sebastian Nielsen hat für zweifelnde Ältere gleich die passende Antwort: „Jung ist der, der mehr Spaß an der Zukunft als an der Vergangenheit hat.“

Mit dieser Philosophie holten die Nielsen-Brothers letztlich auch ihre Eltern mit ins Boot. Die Mutter unterstützt die Söhne gerne an der Rezeption oder am Ausschank, der Vater hat ihnen bei der Anlage des Natursees geholfen und beim Bau eines Wasserkraftwerks, das die Anlage zu 25 Prozent zum Energie-Selbstversorger macht. „Wir wussten ja, dass sich etwas verändern musste“, sagt Marianne Nielsen, die von den verrückten Ideen von Anfang an begeistert war.

2,6 Millionen – 2000 noch in Mark – hat das Gesamtprojekt gekostet. Weil die beiden von vorneherein ein „Entfaltungsplateau“ in ihrem Konzept aufgezeigt hatten, gab die Hausbank grünes Licht. Schon im ersten Jahr schaffte das Adventure Camp Schnitzmühle eine 100-prozentige Umsatzsteigerung – von 500.000 Mark auf eine glatte Million! Heute erwirtschaftet das Erlebniscamp, das vom einstigen Sommer- zum Ganzjahresbetrieb wurde, rund 1,2 Millionen Euro Umsatz jährlich. Das motiviert zu neuen Aktivitäten. Ein Umbau des Entrées, der Lounge und Rezeption stehen an, auch ein kleiner Businessraum und eine neustrukturierte Beauty-Abteilung sind geplant.

Die ehrgeizige Vision der Nielsen-Brothers: Leute, die in den Bayerischen Wald fahren, sollen es einfach als Muss empfinden, bei der Schnitzmühle vorbeizuschauen! Der „Philosoph“ Sebastian Nielsen vertraut bei der Umsetzung übrigens auch auf ein besonderes Licht(konzept). „Weil Licht auch bei Menschen einen Sog erzeugt“, so der unorthodoxe Gastro-Unternehmer. Und offensichtlich wirkt’s, denn sogar die Einheimischen kommen immer öfter vorbei – einfach nur für einen Espresso oder einen Apfelschmarrn.

Steht bei Ihnen auch eine Betriebsübergabe an – in einer Gegend, wo auf den ersten Blick nix los ist, und mit Stammgästen, die Ihre Großeltern sein könnten? Dann sollte Ihnen die Erfolgsgeschichte der Nielsen-Brothers Mut machen, ganz eigene Wege zu gehen. Jungen Kollegen gibt Sebastian Nielsen folgenden Rat: „Wer heute Erfolg haben will, muss die modernen Ansprüche an Spaß mit Tiefgang erfüllen – und das Ganze vor allem auch selbst verkörpern. Nur so ist man letztlich glaubwürdig und kann die potenziellen Gäste in seinen Bann ziehen.“

Erschienen in Gastronomie-Report 7/2010

Foto: Schnitzmühle

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