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Wallstreet Inn, Ulm – Kneipe als Börsenplatz 2017-11-29T21:43:39+00:00

Project Description

Das Wallstreet Inn, Ulm

Kneipe als Börsenplatz – Die Kneipe als Börsenplatz,als Anwendungsarena modernster Computer – und Multimedia-Technologie – diese Idee ist nicht total neu. Mit der Umsetzung klappte es allerdings nicht immer. Als Prototyp für diese Art Erlebnisgastronomie, bei der die Kinderkrankheiten der EDV überwunden zu sein scheinen, präsentiert sich seit sechs Monaten das Wallstreet Inn am Stadtrand von Ulm.

Plötzlich färben sich alle Anzeigetafeln im Lokal rot, das Licht schwankt, die gruselige Filmmusik von Halloween erklingt. Was in der Wallstreet in New York eine Katastrophe ist, bringt die Gäste im Wallstreet Inn erst richtig auf Trab: „Börsencrash“. Schnell werden Getränke geordert, denn jetzt sacken die Preise ab und fallen auf einen Tiefststand. Schnäppchenjäger haben Hochkonjunktur. Dann ist der Spuk wieder vorbei. Langsam, abhängig von der Nachfrage, erholt sich die Börse wieder – bis zum nächsten Börsencrash.
Die Börsenatmosphäre und die Chance, von niedrigen Notierungen der gewünschten Getränke zu profitieren, kommen an bei den Nachtschwärmern in Ulm. Seit gut einem halben Jahr ist das Wallstreet Inn jetzt geöffnet, und der Laden brummt, „Unsere Gäste-Struktur ist total gemischt“, erzählt der Inhaber und Geschäftsführer Friedrich Hieber, der 15 Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel hat. Vor allem bei Gruppen und Cliquen ist das Lokal ungeheuer populär. Zentrale Idee des Konzepts Börsenkneipe ist die variable Preisgestaltung. Im Wallstreet Inn gibt es keine festen Preise. Je nach Nachfrage schwanken die „Kurse“: Wieviel ein Getränk kostet, entscheidet sich im Augenblick der Bestellung. Die „Kurse“ können alle 120 Sekunden wechseln und werden an elf großen Monitoren und zwei Video-Displays angezeigt.

Broker mit Bestellterminal
Im Augenblick der Bestellung beim Kellner, der im Wallstreet Inn natürlich „Broker“ heißt, tritt das EDV-System in Aktion. Vom mobilen Bestellerminal des „Brokers“ werden die „Orders“ der Gäste unmittelbar an das zentrale System weitergeleitet. Der Computer errechnet dann aufgrund steigender oder sinkender Nachfrage im 120-Sekunden-Takt die neuen Getränkepreise. Der Gast zahlt stets den bei der Bestellung aktuellen, „börsennotierten“ Preis, nicht den Kurs zum Zeitpunkt des Kassierens.
Wie beim Roulette die Bank, so gewinnt im Börsenlokal stets auch der Wirt. Ganz dem freien Spiel der Kräfte unterworfen ist die EDV natürlich nicht. Der Gastronom kann Mindest-und Höchstpreise für die Getränke in derSoftware festlegen. Praktischer Nebeneffekt der EDV: Der Wirt hat eine genaue Übersicht darüber, welche Getränke zu welchen Preisen zu den Rennern seines Sortiments gehören. „Das bedeutet unter anderem auch, daß wir unseren Lieferantengegenüber viel kompetenter auftreten können, weil wir exakt wissen, was geht und was nicht“, sagt Hieber. Unterm Strich machen hoher Umsatz und intelligente Mengensteuerung die teilweise niedrigen Preisphasen mehr als wett.
Friedrich Hieber jedenfalls ist überzeugt von seinem Konzept: „Die Gäste haben Spaß, lernen sozusagen in der Wirtschaft, wie Börsenwirtschaft funktioniert, und zeigen eine erheblich höhere Aktions- und Kommunikationsbereitschaft als in herkömmlichen Lokalen.“ Wie die richtigen Börsianer haben auch die Gäste im Wallstreet Inn keine Zeit für umfangreiche Menüs. Im Börsenlokal muß zwar kein Gast hungern, das Speisenangebot orientiert sich jedoch eindeutig an schnellen Happen (z. B. kleine Pizzas) für zwischendurch. Auch bei Einrichtung und Ambiente wurde auf Schnickschnack verzichtet. Dominierende Faktoren Registrier-Kassen
(verschiedene Fabrikate) sind die elf großen Monitore und die zwei Video-Displays.
Hinter dem Wallstreet Inn-Konzept steckt eine Idee, die zuerst in den USA (wo sonst?) entwickelt und seit Beginn der 90er Jahr in einigen deutschen Städten umgesetzt worden ist, jedoch nicht immer mit Erfolg. Nochmals Hieber: „Entscheidend ist, wie gut das System programmiert und konzipiert ist, wie die Umsetzung inszeniert wird und wie der Verkauf mit der betriebswirtschaftlichen Rechnung verknüpft ist.“

Investition in modernste EDV
Damit das Börsenspiel kein Flop wird, muß also erst einmal in moderne Datenverarbeitung investiert werden. Beim Wallstreet Inn ist das System in Zusammenarbeit mit dem Ulmer Software-und Systemhaus Fritz & Macziol entwickelt worden. Mehr als zwei Mannjahre Arbeit hat man dort nach eigenen Angaben in das Grundpaket gesteckt, derzeit sind noch fünf Spezialisten mit der Optimierung und Weiterentwicklung des Systems beschäftigt. Angesichts des großen Erfolges seines Börsenlokals und der ausgereiften EDV – was liegt näher, als dieses Konzept über Ulm hinaus zu vermarkten?
Genau dieses Weg hat Friedrich Hieber eingeschlagen. Er bietet sein Konzept bundesweit – u. a. im Franchise-Verfahren – den Kollegen an. Trotz all der Technik – für entscheidend hält Hieber letztendlich die Peronalschulung (die er ebenfalls anbietet): „Das Börsenkneipen-Konzept setzt intelligentes, kommunikationsfreudiges Personal voraus. Der Kellner als Broker muß Spaß, Know-how und Beratung vermitteln. Die schönste technische Lösung nützt nichts, wenn nicht die Menschen da sind, um sie umzusetzen.

Von der Database bis zur MIDI-Schnittstelle
Für diejenigen, die sich in der EDV auskennen, noch einige Informationen. Die Hardware-Basis im Wallstreet Inn besteht aus:
– einem Datenbank-Server, der alle Preis-, Umsatz- und Getränkedäten in einer SQLDatenbank vorhält
– Display-Rechnern, die über Ethernet mit dem Server verbunden sind und die aufbereiteten Daten auf den TV-Bildschirmen darstellen
-stationären, grafischen Touch-Screen-Kellner-Terminals am Tresen
– mobilen Kellner-Terminals, die kabellos mit dem Datenbank-Server verbunden sind und sofort den Bon-Ausdruck vornehmen.

Mindestens genauso wichtig ist die Software-Basis. Sie berechnet das aktuelle Preisniveau durch eine 32-Bit-OS/2-Software. Die Bestelldaten werden in einer Database 2 OS/2-Datenbank gespeichert. Die grafische Workplaceshell-Benutzeroberfläche ermöglicht dem Gastronomen die Abfrage von Umsätzen innerhalb eines bestimmten Zeitraums, gruppiert nach diversen Selektionskriterien. Das Gesamtsystem sowie die Preisneuberechnungen werden über den DV-Präsentationmanager gesteuert. Sowohl der zufalls-generierte Börsencrash als auch die Licht- und Musikanlage werden über eine MIDI-Schnittstelle gesteuert. Die Sound-Effekte kommen via CD-ROM an die lokale PA-Anlage.

Foto: Wallstreet Inn

Erschienen im Gastronomie-Report 4/1995