Gesucht: Das Trendwort des Jahres 2020

Nach Vorauswahl durch die Experten des Zukunftsinstituts stehen ab sofort 12 Begriffe für das Zukunftswort des Jahres 2020 zur Abstimmung. Jeder kann bis Anfang Januar online mitmachen und für das prägendste Zukunftswort stimmen.

Am Jahresende stehen traditionell Rückblicke, Ehrungen und Wahlen auf dem Programm, die sich dem Vergangenen der letzten Monate widmen. „Wir wären aber nicht das Zukunftsinstitut, wenn wir nicht auch und gerade jetzt den Blick darauf lenken, was kommen wird“, meint Matthias Horx. Der Gründer des Zukunftsinstituts analysiert in seinem kürzlich erschienenen Zukunftsreport 2020 erneut die prägenden Trendphänomene und Entwicklungen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Die im Zukunftsreport benannten Zukunftswörter stehen nun zur öffentlichen Abstimmung.

„Alle 12 Zukunftswörter sind Ausdruck unserer komplexen Welt und regen zum Nachdenken an. Ich bin gespannt, welches in den Augen der zukunftsinteressierten Community den höchsten Stellenwert genießt”, so der Trend- und Zukunftsforscher. – Und das Spannende dabei: Von den meisten Zukunftsbegriffen werden nicht nur viele Gastro-Unternehmer bislang noch nichts gehört haben. So wird die Wahl des Zukunftswortes auch zu einer kleinen virtuellen Reise in die Zukunft.

Hier die Kandidaten:

Yolds
„Young olds“, kurz Yolds, nennt man in Japan die Gruppe der aktiven Älteren zwischen 65 und 75 Jahren. Die Verbindung junger und alter Verhaltensformen erzeugt eine eigene Alterskohorte, die ganz andere Bedürfnisse hat als die „alten Alten“. Sie sind reiselustig, hedonistisch und pfeifen auf klassisches Rentnerverhalten. Von den Yolds werden wir noch viel hören – in Politik, Gesellschaft und Konsum werden sie die traditionellen Generationsbilder aufbrechen.

Cwtch
Vergessen wir Hygge, Lagom und Sisu und wie die skandinavischen Kuschel-Vokabeln alle heißen mögen. Cwtch (ausgesprochen „Kutsch“) stammt aus dem Walisischen und drückt schon lautsprachlich aus, was es meint: das Quetschen und Knuddeln mit rauer Schale und weichem Herz.

Competitive Complaining
Wer hat es schwerer, wer muss mehr leiden? Wer ist mehr Opfer – und hat mehr Anspruch auf Kompensation, Beachtung und Verzeihung von Bösartigkeiten? Competitive Complaining bezeichnet das stetige Beklagen im Vergleich zu anderen.

Gegenruhm-Syndrom
Auch Trump-Syndrom oder Höckismus genannt. Folgt dem einfachen Schema: Je mehr Feinde ich habe, desto wichtiger bin ich. Und je mehr Abneigung, Empörung und moralische Vorwürfe ich auf mich vereine, desto größer sind meine Wirksamkeit und meine Integrität. In einer Hypermedialitätsgesellschaft, in der die Medien selbst die Wirklichkeit konstruieren, wird Gegenruhm zum eigentlichen Ruhm. Für die eigene Berühmtheit nutzt er die negative Energie der Kritiker. Sie können tun, was sie wollen – immer stärken sie die Protagonisten und Protagonistinnen.

Eco-Elegance
Man kann Öko-Produkte leicht faken, etwa indem man Plastikbecher mit Bambus umwickelt oder überall etwas mit „Bio“ draufklebt: Das ist grüner Etikettismus! Richtig elegante Öko-Produkte bieten dagegen immer eine Kombination von vier Dimensionen – Material, soziale Aspekte, Gebrauchsweise und Design. Ein Beispiel ist die niederländische Jeansmarke Mud: Sie nimmt die gebrauchten Bio-Jeans zurück und recycelt sie wieder zu neuen, bietet Näherinnen faire Löhne und verleast die Jeans im Sinne von Sharing-Konzepten – eine real existierende Kreislaufwirtschaft.

Green Pressure
Der deutlich zunehmende Druck zum Grünen und Ökologischen: Das Thema Global Warming erfasst heute alle Branchen, alle ökonomischen und politischen Diskurse. Deshalb wird uns der grüne Druck noch lange begleiten.

Gretaphobie/Gretamagie
Die Ablehnung oder die Bewunderung von Greta Thunberg nehmen ungeahnte Ausmaße an. Vielleicht liegt es auch an ihrem Asperger-Syndrom, das sie bestimmte Erkenntnisse und Wahrheiten nicht ignorieren lässt und sie befähigt, sich mutig und auf tapfer-naive Weise der Wirklichkeit zu stellen. Dabei handelt es sich zugleich um einen Archetyp: Die Greta-Gestalt taucht insbesondere in Märchen auf, wo Figuren wie Sterntaler, Dornröschen, Aschenputtel oder Rotkäppchen zunächst durch kindliche Unschuld, dann durch Entschlossenheit und Solidarität das Böse bekämpfen. Kein Wunder, dass rund um Greta ein andauernder Kultur- und Symbolkampf tobt, an dem vor allem grantige Männer verzweifeln.

Numanism
Numanism ist der neue Humanismus des digitalen Zeitalters: eine Neubesinnung auf menschliche Potenziale, ausgelöst durch Digitalisierung und die Entwicklung von KI. Im Kern geht es um Fragen der Sinnfindung in Zeiten fortschreitender Automatisierung – und um die Differenz des Menschlichen zum Digitalen. Denn die sinnhafte und lebensweltlich begründete menschliche Intelligenz unterscheidet sich kategorisch von maschineller Intelligenz. Je weiter Digitalisierung und KI fortschreiten, umso bedeutsamer wird dieser Gegenpol des Numanism: als Möglichkeits- und Entfaltungsraum, als Treiber kreativer und sozialer Resonanz – und als Grundlage entsprechender Produkte und Services.

Sinnfluencing
Immer mehr Social-Media-Stars empfinden ihre Branche als zu oberflächlich und nutzen ihre Reichweite, um sinnstiftende Themen anzusprechen – Influencer werden zu Sinnfluencern. Mit ihrem Engagement motivieren sie ihre Followerschaft für politische oder nachhaltige Initiativen und arbeiten aktiv mit an einer besseren Zukunft. Prominentestes Beispiel der jüngeren Zeit ist der Youtuber Rezo. Aber auch viele Instagrammer setzen verstärkt auf gesellschaftsrelevante Themen wie Achtsamkeit, Umweltbewusstsein, faire Kleidung, ökologisch korrekte Ernährung oder weniger Lebensmittelverschwendung.

Slowbalization
Bislang glaubten wir immer, Globalisierung wäre ein rasend schneller Prozess, in dem alle Grenzen eingerissen und alle kulturellen Unterschiede nivelliert werden. Doch spätestens seit dem Erstarken des Retro-Nationalismus wird klar, dass die Globalisierung in Wahrheit eine Schnecke ist. Globalisierungsprozesse schwächen sich derzeit ab – und schaffen zugleich neue Formen des Glokalismus, der Lokales und Globales verbindet.

Techmanzipation
Männliche Denkweisen über Technologie gehen meist von Ideen der Kontrolle und der Beschleunigung aus. Dabei entstehen jede Menge Flops und Fehleinschätzungen, gut zu beobachten bei digitalen Hype-Themen wie Künstliche Intelligenz oder Blockchain. Techmanzipation beschreibt die Emanzipation von diesen überzogen männlichen Visionen – und die Kultivierung eines ganzheitlicheren und diverseren Verständnisses von Technologie.

Streamlife
Das Leben „according to the stream“: Streamlife denkt das Leben in epischen und episodischen Formaten, in denen Charaktere über lange Zeit dramatisch entwickelt werden – orientiert am Erscheinungsdatum und dem Rhythmus von Streaming-Serien wie „Game of Thrones“.

Abgestimmt werden kann bis Anfang Januar auf der Website des Zukunftsinstituts bzw. unter diesem Link: bit.ly/zukunftswort2020

Das Zukunftsinstitut ist ein internationaler Think-Tank für Trend- und Zukunftsforschung. In diesem Bereich zählt es zu den einflussreichsten Forschungs- und Beratungsteams Europas. Gegründet wurde das Unternehmen 1998 in Deutschland.

Weitere Infos: www.zukunftsinstitut.de

2019-12-11T13:03:32+01:00

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