Giesinger Bräu mischt München auf

Giesinger Bräu hat sich in München längst etabliert. Foto: Johannes Mairhofer

Breite Bierauswahl, frische Ideen und trendiger Stehausschank: Der Giesinger Bräu schreibt in dem von Großbrauereien dominierten Münchner Biermarkt eine individuelle Erfolgsgeschichte. Als inzwischen zweitgrößte Privatbrauerei der Stadt rückt auch eine Präsenz auf dem Oktoberfest immer näher. Von Mareike Hasenbeck.

München gilt als Bierstadt schlechthin. Die Metropole an der Isar steht für traditionelle Braukunst, gesellige Biergärten, urige Wirtshäuser – und für das größte Volksfest der Welt. Sechs Großbrauereien beherrschten seit Jahrhunderten die Isar-Metropole, bis der Giesinger Bräu mit ins Rennen stieg, sich zur siebten Münchner Brauerei mauserte und den heimischen Biermarkt seitdem immer wieder mit originellen Ideen aufmischt.

Kreatives Konzept

Neben besonderen Crowdfunding-Aktionen, coolen Events wie die "Lange Nacht der Brauereien" oder aber das Giesinger Starkbierfest, gehören vor allem die Stehausschänke zu den kreativen Umsetzungen von Steffen Marx. Der Gründer und Inhaber der Brauerei, mit der Marx 2006 in einer alten Doppelgarage im Stadtteil Giesing startete, belebt damit eine alte Tradition der Stadt wieder. Aber er machte dies auf zeitgemäße Art und mit einem kreativen Biersortiment. Das Konzept ist simpel, aber wirkungsvoll: Kein Münchner Chichi, einfach eine Theke, gutes Bier und ein paar nette Leute. "Das steht bei uns für urbane Bierkultur", betont der 47-jährige Marx, der ursprünglich aus Mecklenburg-Vorpommern stammt.

Stehausschänke: stehen, trinken, ratschen

Auch das Motto der Stehausschänke zeugte von einer gewissen Lässigkeit: Kein Reservierungsstress, keine Zwänge, einfach stehen, trinken und ratschen. Da das Konzept inzwischen auch von den Münchner Braugiganten adaptiert wird, geht Marx einen Schritt weiter. Er will in jedem Stadtviertel einen so ungezwungenen und bodenständigen Ausschank installieren.

Aktuell gibt es sieben Standorte. Das kann sich aber jederzeit ändern, denn die Giesinger "Steher", wie die Locations regional auch gerne genannt werden, ploppen unerwartet auf und fungieren manchmal auch nur als temporäres Pop-up. Jeder Ausschank besitzt seinen eigenen Vibe, heißt es. So lebt der an der Münchner Universität beispielsweise von quirligen Studentinnen und Studenten, der am Viktualienmarkt, der 2019 der erste der Giesinger war, misst gerade mal 30 qm und wird gern von Touristen aufgesucht.

Zu den neuesten Locations gehört ein Treff direkt am Sendlinger Tor, wo die Giesinger eine Kooperation mit der Burgerkette "Ruff's" pflegen. Hier können die Gäste also auch schlemmen und sitzen. Die Halbe Helles gibt es in den Ausschänken für rund 4,50 Euro. Wie viel Liter tatsächlich in den Giesinger Stehausschänken pro Woche über die Theke gehen, verrät Steffen Marx nicht. Die Standorte seien zu unterschiedlich. "Aber es läuft", gibt der Brauereichef schmunzelnd preis. Und das zeige ihm, dass er mit dem Konzept genau den Nerv der Zeit treffe.

Seine Gastronomie-Betriebe versteht der Giesinger Entrepreneur als "die ehrlichste Form von Markenbindung".

Bräustüberl: Mehr als nur ein Gastraum

Das Bräustüberl in Giesing, wo auch zünftiger Schweinebraten, Hopfenbratwurst oder veganer Zwiebelrostbraten auf der Karte stehen, ist für ihn und sein Team viel mehr als nur ein Gastraum – es ist der Ort, an dem Biere lebendig werden. Schließlich befindet sich der Ausschank auch direkt neben dem glänzenden Sudhaus, in dem Spezialbiere in kleineren Mengen produziert werden. 

"Hier entsteht ein Austausch mit unseren Gästen, hier probieren die Leute etwas Neues, hier bekommen wir direktes Feedback", untermauert Marx. Es ist nicht selten, dass man in diesem Umfeld den Chef auch mal höchstpersönlich trifft und in entspannter Atmosphäre ein Bier mit ihm genießen kann.

In München längst etabliert

Der Giesinger Bräu ist mit seiner Biervielfalt, die von Sorten wie Helles, Pils und Weißbier über Tripel, Schankbier und saisonale Bockbiere reicht, in München längst etabliert. Leicht hatte es Steffen Marx allerdings nicht, sich in die Liga der städtischen Platzhirsche einzureihen. Denn auch wenn er seit nunmehr 20 Jahren ambitionierte Bierspezialitäten braut, blieb seinem Betrieb die Anerkennung als Münchner Braustätte lange verwehrt. Erst die Eröffnung eines neuen Standortes im Stadtviertel Lerchenau im Juni 2020 verwirklichte den Giesinger-Traum. Entscheidend dabei war die Einrichtung eines eigenen Tiefbrunnens. Dieser reicht nun mehr als 150 Meter in die Tiefe und das Wasser soll nach wissenschaftlichen Untersuchungen rund 12.000 Jahre alt sein. So wird seitdem im "Werk 2" Bier gebraut, das dem Wasser sei Dank das EU-Siegel der geografisch geschützten Angabe "Münchner Bier" tragen darf – und das nach städtischer Verordnung theoretisch auch auf dem Oktoberfest ausgeschenkt werden darf.

Wann genau das soweit sein wird, bleibt noch offen. Immerhin hat das Brauerei-Team in diesem Jahr schon etwas für die Wiesn geübt. Auf dem Außengelände des "Werk 2" wurde im Frühjahr ein eigenes Starkbierfest gefeiert – mit einem geliehenen Zelt für 800 Leute. Die Plätze waren über die ganzen Tage ausreserviert – ein Zeichen nicht nur für das Interesse der Giesinger-Fans, sondern auch für den Ehrgeiz des Bräus: "Und unsere Botschaft ist ganz klar: Ja, wir wollen aufs Oktoberfest", schwört Steffen Marx. Klar dabei sei aber auch: "Wir machen das auf Giesinger-Art – bodenständig, mit Charakter und ohne uns irgendwie zu verbiegen." 

Weitere Informationen

Mehr zu Giesinger Bräu finden Sie unter:

giesinger-braeu.de

 

Der Artikel ist in der Ausgabe 4/2025 des Gastronomie-Report erschienen.