In Aschheim, östlich vor München, fand The Duke seine neue Heimat in einer alten stillgelegten Kartoffelbrennerei. Fotos: The Duke
Im The Duke Gin steckt viel Herzblut, echte Handarbeit und der Geist mutiger Unternehmer. Von Karin Gabler
Vor 18 Jahren schmiedeten zwei junge Männer in ihrer Studentenwohnung in München-Schwabing einen Plan für eine ganz spezielle Rezeptur. Es war eine sprichwörtliche Schnapsidee. Max von Pückler und Daniel Schönecker wollten einen hochwertigen deutschen Gin herstellen. In Handarbeit und mit ausgewählten Botanicals. Ein spannendes Unterfangen, das letztlich auch mit der Unterstützung eines erfahrenen Branntmeisters, seinem Know-how und seinen Tipps, gelang: Ende 2008 kam der Gin "The Duke" auf den Markt, zu einer Zeit, in der vom späteren Gin-Hype noch keine Rede war. Genau genommen leisteten Max und Daniel in gewisser Weise sogar Pionierarbeit, in jedem Fall, wenn es um die Entwicklung des Premium-Gins aus und in Deutschland geht. Die Strahlkraft ihrer Spirituose brachte am Ende die gesamte Getränkewelt und die Gastronomie in Bewegung.
The Duke ist vom Namen her eine Verbeugung vor Herzog Heinrich dem Löwen, Herzog von Bayern und Gründer der Stadt München. Damit stellten die Erfinder des Münchner Gins von vorneherein den Bezug zur Geburtsstadt ihres Produkts her. Ihre Maxime: Handarbeit – von der Auswahl der Botanicals aus rein biologischem Anbau über die Arbeit mit dem eigens angefertigten Kupferkessel namens Carl bis hin zur Verpackung der Flaschen.
Im Detail bedeutete das, der Branntmeister schält die Zitronen selbst, die Wacholderbeeren werden frisch gemahlen und angesetzt, auch die Stofftrennung sowie die Abfüllung jeder einzelnen Flasche, die Etikettierung, Verkorkung und Versiegelung erfolgen handmade. Improvisieren war an der Tagesordnung. "Wir haben uns in Minischritten damals dem 21. Jahrhundert angenähert", erläutert von Pückler lächelnd, der seit 2016 den Betrieb allein führt, nachdem Daniel Schönecker andere Wege ging. Selbst wenn die Arbeit in Schwabing ökonomisch schwierig war – "wir hatten alles außer Kapital" – vom Marketing-Aspekt her war die Situation ideal: Die Medien waren fasziniert von dieser Gründungsgeschichte und so schlug die geistreiche Erfindung hohe Wellen. Bald reichten die wenigen Quadratmeter Fläche nicht mehr.
2016 zog die Destillerie nach Aschheim östlich von München. Sie fanden eine alte Kartoffelbrennerei, ein altes Backsteingebäude, das eigentlich abgerissen werden sollte, die Gin-Meister jedoch durch seinen historischen Charme spontan begeisterte. Hier ist jetzt nicht nur die Produktion untergebracht, sondern auch ein Verkaufsladen und eine kleine urige Bar, die von Mittwoch bis Samstag öffnet und gerne für Veranstaltungen gebucht wird, wodurch viel Nähe zu Kunden und Fans entsteht.
Hand in Hand mit der räumlichen Vergrößerung wuchs das Team auf ca. 20 Mitarbeiter, darunter ist eine Auszubildende fürs Destillationshandwerk. Auch das Sortiment wurde größer: Neben dem deutschen Klassiker unter den Premium-Gins gibt es mittlerweile sieben unterschiedliche Gin-Sorten, unter anderem einen ganz neuen Zirben-Gin. Wodka kam ebenso hinzu wie die Duchessa, ein Aperitivo Bavarese mit und ohne Alkohol – quasi als Frau Herzogin – sowie Liköre und fertige Longdrinks in Dosen. Zusätzlicher Geschäftsbereich ist das Angebot für individualisierten Gin mit speziellen Labels etwa für Firmen und Vereine.
Die Hauptvertriebswege für The Duke sind gut sortierte Supermärkte, Premium-Produkt-Läden, der Getränkefachhandel, das eigene Online-Portal und freilich die Gastronomie. Anfangs war Gin vor allem für Bars und Clubs interessant, "mittlerweile", so von Pückler, "ist The Duke auch gut in der Tagesgastronomie und in Restaurants vertreten." Mit dem Aperitivo konnte sich die Destillerie zudem eine völlig neue Klientel erschließen. "Wir haben insgesamt eine sehr treue Kundschaft", betont der 46-jährige Quereinsteiger, der Geschichte studiert und ein großes Faible für schöne Dinge, Tradition sowie Handarbeit hat und manchmal selbst noch staunt, wie mutig er sich damals mit seinem WG-Freund ins Abenteuer gestürzt hat.
Nachdem eine Zeit lang ein Gin nach dem anderen in die Läden kam, erfolgte mittlerweile eine Marktbereinigung. "Gut für uns", sagt von Pückler, "es gibt kein Gin-Hopping mehr, Produkte im Premium-Bereich sind die Gewinner." Tatsächlich hat The Duke in Bayern heute den größten Marktanteil im Premiumsegment, bundesweit ist die Münchner Spirituose unter den Top 5.
Aber ... Erfolg weckt Neider und böse Geister. Als die Destillerie 2022 einen alkoholfreien Gin als Genussalternative auf den Markt brachte und vertrieb, flatterte eines Tages eine Abmahnung vom sogenannten Verein "Sozialer Wettbewerb" ins Haus, der das Unternehmen anzeigte, weil es für seinen alkoholfreien Gin kein Pfand auf die Flaschen verlangte! Übrigens wie sämtliche Mitbewerber auch, die von dieser Klage allerdings bis heute verschont blieben.
Fakt ist, Alkohol wie Gin, Wodka, Wein und Sekt ist pfandbefreit, auch alkoholfreie Pendants. Von Pückler, der sich mit dem Deutschen Pfandgesetz schon vor der Produktion des "The Duke Entgeistert" befasst hatte, konnte im Gesetz keinerlei Hinweise finden, dass dies bei alkoholfreiem Gin anders wäre. Auch, weil normalerweise nur Volumenartikel bepfandet werden, zumal eine gewisse Logistik und ein Mindestdistributionsgrad gegeben sein müssen, und eine Bepfandung ohne die Einbeziehung des Einzelhandels nicht realisierbar wäre.
Der Verein verlangte per einstweiliger Verfügung, die alkoholfreien Produkte sofort vom Markt zu nehmen und sogar zurückzurufen. Der Weg vor Gericht war unausweichlich. The Duke gewann in erster Instanz, auch weil die Richterin erkannte, dass wenn, dann alle Hersteller in der Pflicht wären. In zweiter Instanz jedoch entschied Ende 2024 ein anderer Richter unverständlicherweise anders. "Das Ganze fühlte sich sehr unfair an", sagt von Pückler. Denn damit wurde die Destillerie quasi ausgelistet. Außerdem musste das Unternehmen die Gerichtskosten und sogenannten Schadensersatz zahlen, zusammen mit Entwicklungskosten für eine neue Präsentation waren dies letztlich knapp 70.000 Euro.
Von Pückler initiierte eine mediale Crowdfunding-Aktion; das half etwas, auch die Fans unterstützten The Duke, indem sie bewusst einkauften. "Jetzt wäre der Gesetzgeber gefordert, er müsste das Gesetz anpassen", sagt Max von Pückler, denn als das deutsche Pfandgesetz beschlossen wurde, gab es noch keine alkoholfreien Spirituosen. Aber: Innerhalb des Gesetzes gibt es einen Passus, demzufolge Steingutflaschen vom Pfand ausgenommen sind – was ökologisch nicht optimal ist, sich für "The Duke Entgeistert" aber als Lösung anbot.
Mittlerweile ist der alkoholfreie Gin fester Bestandteil der Premium-Range der Destillerie, die der Gründer in Zukunft noch weiter ausbauen will. "Wir wollen ein bisschen zur Pilgerstätte werden, mit Veranstaltungen, Führungen und Tastings, nahbar und 'anfassbar', mit besonderer Identität".
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Der Artikel ist in der Ausgabe 6/2025 des Gastronomie-Report erschienen.
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