18.02.2026
Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Bayern weist die Kritik der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), dass viele Wirte beim Lohn "knausern" würden, entschieden zurück. "Von einem Tarifpartner erwarten wir Unterstützung bei unserem Kampf für mehr Netto vom Brutto statt ständiger Nestbeschmutzung. Im europäischen Vergleich haben wir in Deutschland mit die höchsten Bruttolöhne bei gleichzeitig den niedrigsten Nettolöhnen. Seit 2022 sind Arbeitskosten um 34 %, Energiekosten um 27 % und Lebensmittelpreise um 26 % gestiegen. Die 7 % sind kein Geschenk – sie sind für viele Betriebe der letzte Rettungsring", so Dr. Thomas Geppert, Landesgeschäftsführer des DEHOGA Bayern.
Die NGG behaupte, Gastronomen würden Steuervorteile nicht an Mitarbeiter weitergeben. Die Realität sehe jedoch anders aus: Nach der Erhöhung von 7 auf 19 % Anfang 2024 stiegen die Preise in der Gastronomie nur um 6,6 %."Viele Wirte haben die Mehrbelastung aus eigener Tasche bezahlt – trotz Kostenlawine", betont Geppert. Noch dazu erhöhten sich in der aktuellen Tarifrunde die Löhne in drei Schritten um fast 15 %. "In einer Branche, in der Personalkosten oft über 40 % des Umsatzes liegen, ist das ein Kraftakt – und zeigt, dass wir investieren, wenn es Spielraum gibt", so Geppert.
Laut aktueller DEHOGA-Umfrage liegen Lohnsteigerungen auf Platz eins der Nennungen auf die Frage, mit welchen Maßnahmen Wirte auf die Senkung der Mehrwertsteuer bei Speisen auf 7 % reagieren wollen. Demnach wollen 62,9 % die Bezahlung der Mitarbeiter verbessern, weitere 8,4 % planen dies. Darüber wollen 29,2 % weitere Mitarbeiter einstellen bzw. haben dies in Planung. "Wir wollen Gäste zurückgewinnen, Arbeitsplätze sichern und das Wirtshaussterben stoppen", betont der Landesgeschäftsführer. Dabei seien kleine Betriebe von den Belastungen besonders betroffen, erklärt Geppert. 80 % der bayerischen Gastrobetriebe haben weniger als zehn Beschäftigte. "Das sind Familienunternehmen. Wer sie schwächt, gefährdet regionale Arbeitsplätze und unsere Wirtshauskultur", warnt Geppert: "Nur wenn die Betriebe überleben, gibt es auch in Zukunft faire Löhne, Vielfalt und Gastfreundschaft in Bayern."
Auch die aktuellen Zahlen des Bayerischen Landesamts für Statistik zeigen, wie sehr Bayerns Gastgewerbe unter Druck steht: Zwar wuchs der nominale Umsatz 2025 gegenüber dem Vorjahr um 2,0 %, real ging er jedoch um 1,4 % zurück. Gleichzeitig sank die Zahl der Beschäftigten um 2,5 %. "Hier erwarten wir uns Unterstützung von der Gewerkschaft und keine Diffamierungen", so Geppert.
"Ganz davon abgesehen scheint es der NGG entgangen zu sein, dass die Mehrwertsteuer nur auf Speisen und nicht auf Getränke reduziert worden ist, sodass ihr Rechenbeispiel entweder unbewusst falsch oder bewusst irreführend ist", fährt Geppert fort, "auch scheint es, als hätte die NGG nie in die Begründung des Gesetzes geschaut. Denn dort heißt es 'Mit der Steuersenkung will die Bundesregierung gezielt die Gastronomiebranche stärken, denn nur wirtschaftlich gesunde Unternehmen können Arbeitsplätze sichern bzw. ausbauen'."
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