31.03.2026
DZG-Vorstandssprecher Dr. Marcel Klinge warnt angesichts der Energiekrise vor einer doppelten Belastung aus steigenden Kosten und sinkender Nachfrage. Bild: DZG
Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) warnt vor einer gefährlichen Wechselwirkung aus steigenden Energiepreisen und sinkender Binnennachfrage infolge der geopolitischen Eskalation im Nahen Osten. Während Gas-, Strom- und Lebensmittelpreise deutlich anziehen, gerät die Nachfrage nach Leistungen der Gastwelt (Tourismus, Hospitality, Foodservice & Freizeit) zunehmend unter Druck.
Die Denkfabrik spricht von einer "doppelten Belastung", die sich zu einer strukturellen Herausforderung für den Standort entwickeln könne. "Die Energiekrise trifft die Gastwelt nicht einmal, sondern dreifach: über allgemein steigende Kosten, über die Verteuerung der Lieferketten und über die Kaufkraft der Gäste", sagt DZG-Vorstandschef Dr. Marcel Klinge. Wenn Preise für Energie und Lebensmittel weiter stiegen, werde erwartbar zuerst bei Restaurantbesuchen, bei Freizeit und Reisen ins In- und Ausland gespart.
Immer höhere Energiepreise wirken dabei als Multiplikator entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Lebensmittelproduktion über Logistik bis hin zu Betriebskosten in Hotels, Bars, Gastronomie und Freizeitbetrieben. Gerade energieintensive Bereiche wie Küchenbetrieb, Kühlung, Wäscherei, Wellness- und Spa-Angebote oder Schwimmbäder sind unmittelbar betroffen. Gleichzeitig führen Inflation und allgemeine Unsicherheit zu einer spürbaren Konsumzurückhaltung. Für die Gastwelt entsteht damit eine doppelte Belastung aus Kosten- und Nachfrageeffekten. Hinzu kommt eine strukturelle Besonderheit des Wirtschaftssektors: Gastwelt-Leistungen gehören zu den ersten Ausgaben, auf die Verbraucher in unsicheren Zeiten verzichten. Gleichzeitig sind viele Betriebe stark personal- und standortgebunden und können Kostensteigerungen nur begrenzt kompensieren. Das erhöht die Anfälligkeit gegenüber externen Schocks erheblich.
Vor diesem Hintergrund fordert die Denkfabrik ein schnelles Maßnahmenpaket, das sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite stabilisiert. Neben einer dauerhaften Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestniveau für alle Unternehmen und einem Belastungsmoratorium für zusätzliche Abgaben und Regulierung spricht sich die Denkfabrik ausdrücklich für Maßnahmen zur Stärkung des Binnenkonsums aus. "Wer die Wirtschaft stabilisieren will, muss auch die Nachfrage stabilisieren", so Klinge. "Eine neue Inflationsausgleichsprämie etwa könnte helfen, Kaufkraft zu sichern und gezielt dort zu wirken, wo Konsum entsteht, zum Beispiel in Gastronomie, Hotellerie, Tourismus und Freizeit."
Gleichzeitig betont die DZG, dass die aktuelle Entwicklung nicht als kurzfristiger Preisschock unterschätzt werden dürfe. Erfahrungen aus früheren Krisen zeigten, dass sich Energiepreise häufig auf einem dauerhaft höheren Niveau einpendeln. Umso wichtiger sei es, Unternehmen vor extremer Volatilität zu schützen und Investitionen in Effizienz und Unabhängigkeit zu ermöglichen. "Energiepolitik ist längst Standortpolitik, das sehen wir gerade sehr deutlich. Je länger der Krieg im Nahen Osten dauert, desto spürbarer werden die Auswirkungen bis auf den Teller im Lokal", erklärt der ehemalige Bundestagsabgeordnete. "Wenn wir die Gastwelt als Wertschöpfungsfaktor erhalten wollen, müssen wir sowohl die Kostenbasis der Unternehmen stabilisieren als auch die Nachfrage stärken. Beides gehört zusammen."
Die Denkfabrik warnt, dass ohne gezielte Gegenmaßnahmen ein weiterer Rückgang von Angebot, Beschäftigung und regionaler Wertschöpfung drohe. Die Gastwelt sei mit rund sechs Millionen Beschäftigten nicht nur ein zentraler Arbeitgeber, sondern auch ein entscheidender Faktor für wirtschaftliche Dynamik und gesellschaftliches Leben in Deutschland.
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