06.08.2026
Kommunale Verpackungssteuern verursachen nach einer neuen Studie erhebliche wirtschaftliche und bürokratische Belastungen, erzielen nach Einschätzung der Autoren jedoch nur eine geringe ökologische Wirkung. Auftraggeber der Untersuchung sind unter anderem der Bundesverband der Systemgastronomie (BdS), der Handelsverband Deutschland (HDE) und die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK).
Die von der GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung und dem ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg erstellte Studie untersucht erstmals umfassend die ökologischen und ökonomischen Auswirkungen kommunaler Verpackungssteuern. Nach den Berechnungen der Autoren erfassen die Steuern lediglich 0,7 % des gesamten Verpackungsverbrauchs in Deutschland. Selbst bei einer fiktiven bundesweiten Einführung würde das gesamte Verpackungsaufkommen um lediglich 0,04 % sinken, die Treibhausgasemissionen würden um 0,0013 % reduziert.
Dem geringen ökologischen Effekt stehe ein erheblicher Verwaltungsaufwand gegenüber. Nach Angaben der Studie entstehen Kommunen Kosten für Einführung, Erhebung und Kontrolle der Steuer. Die Verwaltungskosten werden auf rund 10 bis 15 % des Steueraufkommens geschätzt. Gleichzeitig müssten Unternehmen unter anderem Kassensysteme anpassen, zusätzliche Dokumentationspflichten erfüllen und Mitarbeitende schulen. Die gesamte Abgabenbelastung auf die betroffenen Verpackungen würde nach Berechnungen der Autoren von derzeit rund 0,1 Mrd. Euro auf 4,1 Mrd. Euro steigen.
"Die Studie zeigt, dass kommunale Verpackungssteuern ihr zentrales Ziel – Verpackungsabfälle wirksam zu reduzieren – nicht erreichen. Statt echter Abfallvermeidung entstehen zusätzliche neue Belastungen für Gastronomie, Handel sowie Verbraucher und Kommunen. Zusätzliche Bürokratie ersetzt keine wirksame Umweltpolitik", sagt Kristina Harrer-Kouliev, Rechtsabteilungsleiterin des Bundesverbands der Systemgastronomie (BdS).
Nach Einschätzung der Studienautoren werden die zusätzlichen Kosten langfristig überwiegend an die Verbraucher weitergegeben. Besonders betroffen seien Haushalte mit geringeren Einkommen. Zudem unterlägen bereits 89 % der von der Verpackungssteuer betroffenen Verpackungsmengen anderen regulatorischen Instrumenten und Abgaben, etwa Systembeteiligungsentgelten oder dem Einwegkunststofffonds.
Die Untersuchung kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass kommunale Verpackungssteuern zwar Verhaltensänderungen auslösen können, deren ökologische Lenkungswirkung jedoch begrenzt bleibt. Verbraucher weichen demnach unter anderem auf vorverpackte Convenience-Produkte oder auf Nachbarkommunen ohne Verpackungssteuer aus. Auch ein Wechsel zu Mehrwegverpackungen führe nicht automatisch zu ökologischen Vorteilen, da diese ausreichend häufig genutzt und zuverlässig zurückgegeben werden müssten.
"Die Studie deckt sich mit dem, was wir auch von den Unternehmen hören, die bereits davon betroffen sind. Die kommunale Verpackungssteuer ist weder zielführend noch bürokratiearm", sagt Sebastian Bolay, Bereichsleiter der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). Statt neuer Belastungen sollten bestehende Kreislaufwirtschaftssysteme gestärkt sowie Recycling und Materialeinsparung weiterentwickelt werden.
Die Studie "Ökonomische und ökologische Bewertung der Auswirkungen kommunaler Verpackungssteuern" wurde von der GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung mbH gemeinsam mit dem ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg gGmbH erstellt. Grundlage sind umfangreiche Marktdaten, Auswertungen der GVM-Datenbanken, Experteninterviews sowie Vor-Ort-Recherchen in Kommunen mit bestehender Verpackungssteuer. Auftraggeber der Studie sind die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), die Allianz Verpackung und Umwelt (AVU), der Bundesverband der Systemgastronomie e.V. (BdS), die Papierindustrie, der Fachverband Faltschachtel-Industrie (FFI), der Handelsverband Deutschland (HDE), der Industrieverband Papier- und Folienverpackung (IPV) sowie die Arbeitsgemeinschaft für Serviceverpackungen (Pro-S-Pack). Die Langversion der Studie kann bei der GVM Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung mbH (gvmonline.de) angefordert werden.
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