02.10.2026
Stellten das neue KI-Papier der DZG vor: Salim Sahi (r.), Alexandra Wolframm und Dr. Marcel Klinge. Foto: DZG
Die Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) hat ein Impulspapier zur technologischen Transformation der Branche vorgelegt. Es reicht von einer neuen Chief-AI-Officer-Position in größeren Unternehmen über KI-Readiness-Checks und gemeinsame Datenstandards bis zu digitalen Bezahlmöglichkeiten. Ziel ist es, mit Technologie Beschäftigte zu entlasten, die Produktivität zu erhöhen und zugleich persönliche Gastlichkeit zu bewahren.
Technologie soll Routinen übernehmen und dadurch mehr Zeit für die Arbeit mit dem Gast schaffen – von diesem Grundgedanken geht das von einer Experten-Taskforce erarbeitete Papier aus. Dabei versteht die DZG die mehr als 120 Ideen und Vorschläge ausdrücklich nicht als fertigen Fahrplan oder Technikkatalog, sondern als Impulse für Unternehmen, Politik und Technologieanbieter.
Als Gründe für den Handlungsbedarf nennt die Denkfabrik unter anderem Personalengpässe, steigende Kosten, wachsende Bürokratie und schwankende Nachfrage. Gleichzeitig steigen nach ihrer Einschätzung die Anforderungen der Gäste an schnelle und verlässliche Abläufe sowie persönliche Betreuung. Eine Untersuchung des Fraunhofer IAO im Auftrag der DZG kommt laut Pressemitteilung zu dem Ergebnis, dass 69 % aller Prozesse in Hotelbetrieben ein hohes Digitalisierungs- und Automatisierungspotenzial aufweisen. Als Beispiele werden Personal- und Warenplanung, Gästekommunikation und Energieeinsatz genannt.
Bei der Einführung von KI plädiert das Expertengremium dafür, zunächst den konkreten Nutzen einer Anwendung, ihre Kosten und die Einbindung in bestehende Abläufe zu klären. "Digitalisierung, KI und Robotik sind längst keine simplen IT-Projekte mehr, sondern strategische Führungsaufgabe", sagt Alexandra Wolframm von Booking.com, die das Gremium gemeinsam mit Salim Sahi von Holologiox.AI leitet.
Für größere Betriebe schlägt die DZG deshalb die Einrichtung einer Chief-AI-Officer-Position (CAIO) mit Vorstands- beziehungsweise Geschäftsführungsrang vor. Hinzukommen soll ein flächendeckender KI-Readiness-Check. Dieser soll Betrieben dabei helfen, wirtschaftlich sinnvolle Anwendungen zu identifizieren und einen realistischen Umsetzungsfahrplan zu entwickeln.
Eine weitere Voraussetzung sieht die Taskforce in einer gemeinsamen Daten- und Wissensinfrastruktur. Vorgeschlagen werden einheitliche Standards für Angebote, Preise und Verfügbarkeiten sowie offene Schnittstellen zwischen zentralen Betriebssystemen. Weitere Ansätze sind automatisierte Personalplanung, KI-gestützte Gästekommunikation sowie digitales Nachhaltigkeits- und Energiemanagement.
Mit der Technik müsse sich nach Ansicht der Experten auch die Unternehmenskultur weiterentwickeln. Das Papier nennt unter anderem praxisnahe KI-Werkstätten, mehrsprachige Onboarding-Prozesse, Train-the-Trainer-Konzepte und sogenannte AI-Ambassador-Programme.
Wo KI bestehende Tätigkeiten verändert, sollen Qualifizierungsangebote neue Einsatzmöglichkeiten für Beschäftigte schaffen, beispielsweise bei der Qualitätskontrolle von KI-Ergebnissen sowie im Beschwerde- und Wissensmanagement. Gleichzeitig fordert die DZG klare Leitlinien zu Datenschutz und Transparenz. Geschützte Experimentierräume sollen es Unternehmen ermöglichen, neue Anwendungen zu erproben, ohne unmittelbar hohe rechtliche oder wirtschaftliche Risiken einzugehen.
Neben übergreifenden Maßnahmen enthält das Papier konkrete Vorschläge für einzelne Bereiche. Für die Hotellerie nennt die Taskforce unter anderem flächendeckende mobile Check-in-Prozesse und KI-gestütztes Revenue-Management. Im Foodservice und in der Gemeinschaftsverpflegung soll KI-basierte Produktionsplanung dazu beitragen, Lebensmittelverluste zu reduzieren.
Für Tourismus und Reisebüros sieht das Papier Handlungsbedarf bei der Aufbereitung touristischer Angebote, damit diese auch in KI-gestützten Such- und Buchungssystemen auffindbar bleiben. Freizeit-, Sport- und Kultureinrichtungen könnten nach Vorstellung der Autoren KI-gestütztes Crowd-Management einsetzen, um Besucherströme zu steuern und Belastungsspitzen abzubauen.
Ein weiterer Teil des Impulspapiers richtet sich an die Bundespolitik. Die DZG fordert unter anderem eine leistungsfähige digitale Infrastruktur, einheitliche Datenstandards sowie klare Haftungs- und Transparenzregeln für den Einsatz von KI. Hinzu kommen Vorschläge für eine stärkere Datensouveränität der Betriebe, mehr anwendungsorientierte Forschung zu Robotik und KI sowie erleichterte Investitionen.
Dazu zählen Sonderabschreibungen und ein vereinfachter Zugang zu staatlichen Fördermitteln. Insbesondere kleineren und mittleren Unternehmen fehlten häufig Zeit und finanzieller Spielraum für größere Digitalprojekte, argumentiert die Denkfabrik. Als weiteren Ansatz bringt sie eine eigene "Gastwelt-Bank" nach österreichischem Vorbild ins Gespräch. Gedacht ist sie als digital und zentral organisierte Förderbank mit festen Ansprechpartnern und schnelleren Entscheidungsprozessen.
Erarbeitet wurde das Impulspapier von einer elfköpfigen Experten-Taskforce aus verschiedenen Bereichen der Gastwelt. Die DZG will mit den Vorschlägen Unternehmen, Beschäftigte, Politik, Wissenschaft und Technologieanbieter in die weitere Diskussion über die technologische Transformation einbeziehen.
Das Impulspapier mit den mehr als 120 Ideen und Vorschlägen an dieser Stelle kostenfrei zum Download bereit.
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